Weber Stadt: Grußwort

5. Pfarrei

5.1 Die geistlichen der Kaplanei und Pfarrei

Wann die erste Kirche in Weilen gebaut wurde und seit wann hier ein Priester wirkte, ist nicht bekannt. Aber schon im ersten Pfarreiverzeichnis (Liber decimationis) der Diözese Konstanz vom Jahre 1275 erscheint ein Leutpriester („plebanus“) in „Wiler“. Der Herausgeber dieses Verzeichnisses schreibt zwar, ein Ort Wiler bei Schömberg sei ihm nicht bekannt. Dagegen weist Heinz Erich Walter darauf hin, daß unser Weilen im Mittelalter stets „Wiler“ oder „Wyler“ hieß und daß nach der Reihenfolge unser Weilen gemeint sein muß. Auch im Liber marcarum der Diözese Konstanz vom Jahre 1353 kommt ein Wiler vor. Die erste Kirche muß ein bescheidenes Gotteshaus gewesen sein, und der Leutpriester bezog 1275 nur 6 Mark Jahreseinkünfte; er brauchte deswegen die damalige Kirchensteuer an den Papst nicht entrichten.

Bereits am 1. November 1277 hat ein Vikar Bernhard in Wile unter anderen Vikaren und Pfarrern ein Schriftstück mit unterzeichnet, in dem Graf Friedrich von Zollern den Großen und kleinen Zehnten zu Denkingen an das Johanniterspital in Rottweil gegen einen Zins von 4 Pfund Wachs jährlich vergab. Nach Mone soll in Weilen schon 1220 bis 1250 ein sogenanntes Klaustrallehen bestanden haben, das mit benachbarten Orten wie Aldingen, Wehingen, Gosheim, Reichenbach und Schörzingen genannt ist.

1437 folgte auf den Kaplan Berthold Tod, der wohl aus Schömberg stammte, der Kaplan Johann Zeller.

Eine Urkunde von 1437 bezeugt klar das Vorhandensein einer Kaplanei in Weilen. Es heißt hier: „1537 alt S. Nikolai capleinei in Wiler infra castrum Hohenberg“ (Weiler unter der Burg Hohenberg). Die Kirche war demnach erst dem heiligen Nikolaus geweiht. Der Pfarrektor von Schömberg setzte den Kaplan von Weilen ein. 1491 wird die Kapelle des heiligen Petrus (Patroziniumsverwechslung) in „Wyler sub parachie Schemberg“ erwähnt, und 1508 schließlich gehörte unsere Kirche als Filiale zu Schömberg. Nachdem die Kaplanei Weilen erst mit der Stadtpfarrei Schömberg verbunden war, kam sie 1489 zum Chorherrenstift Waldkirch. Dieses bezog einen Teil der Zehnten hier und musste dafür die Baulasten an Kirche und Pfarrhaus tragen. Durch die Säkularisation im Jahre 1803 wurden die Güter des Chorherrenstifts Waldkirch vom badischen Staat aufgehoben und eingezogen. Im Jahre 1822 kaufte die Stadt Schömberg vom badischen Staat alle zur Pfarrei Schömberg gehörenden Gefälle in Ratshausen, Weilen und Dautmergen. Gegen die Pflichten des ehemaligen Stifts setzte sich die Stadt erfolgreich zur Wehr; darüber wird noch berichtet (siehe Seite 120).

Aus Schömberg stammten einige Weilener Kapläne. Anno 1450 war Dietrich Tod, der Sohn des Schömberger Stadtschultheißen, Kaplan in Weilen. Von 1473 an hatte er sogar 3 Pfründstellen, nämlich Schömberg, Weilen und Sontheim inne. Sontheim – der jetzige Sonthof – war früher ein Dorf, das nach dem Dreißigjährigen Krieg einging; die dortige Michaelskirche wird schon 1220 genannt, sie musste wegen Baufälligkeit 1841 abgebrochen werden. Noch 1481 und 1500 ist Dietrich Tod genannt, er war 1482 Dekan in Schömberg.

Auf Dietrich Tod folgte 1491 als Kaplan in Weilen Johann Zeller.

Erst 1563 hören wir wieder von einem Kaplan Bartholomäus Steiner. Er hatte die Schömberger Filialen Weilen und Ratshausen zu versehen. In der Folgezeit wurden die beiden Gemeinden vom gleichen Geistlichen betreut. 1568 wird ein Hans Konz als Kaplan von Weilen und Ratshausen genannt.

Auf ihn muß ein Pfarrer („Pfaffe“) mit dem Vornamen Jakob gefolgt sein; dieser wird bei der Investitur des Jakob Krachtenfels (aus Wellendingen stammend) im Jahre 1580 angeführt. Nach Kaplan Krachtenfels übte Abraham Thümble hier die Seelsorge aus.

Um 1595 trat Christoph Bregenzer das Amt des Kaplans in Weilen und Ratshausen an. Nach ihm scheinen die beiden Gemeinden keinen eigenen Geistlichen mehr gehabt zu haben. 1641 – mitten im Dreißigjährigen Krieg – wurde Weilen vom Deilinger Pfarrer versehen.

Dann finden wir vor 1661 Johann Ludwig Bock und nach 1661 Hyacinthus Rieff, Pater aus dem Predigerorden, auf der Kaplanei Weilen-Ratshausen. Dann blieb die Stelle wieder eine Zeitlang vakant. Die Seelsorge in Weilen versah 1665 Pater Gelasius Franz von Schömberg.

1667 bewarb sich der Schörzinger Kaplan Johann Jakob Butsch um unsere Kaplanei. Ob er sie damals schon erhalten hat, ist ungewiss. Denn zur gleichen Zeit finden wir Jakob Andreas Anfang als Kaplan von Weilen und Ratshausen. Er wirkte bis 1679 hier. Dann stand die Kaplanei wieder leer, bis 1682 der bereits genannte Johann Jakob Butsch aufzog. Er war aus Rottweil gebürtig. Aus den Einträgen in den Kirchenpflegerechnungen, die hier von 1683 an vorhanden sind und im Pfarrhaus aufbewahrt werden, geht hervor, daß die Kapläne in Weilen wohnten, und zwar im Kaplaneihaus. Außer unserem Dorf hatten sie auch Ratshausen zu versehen, das damals kleiner war als Weilen.

Bis zum Jahr 1707 war dann Josef Fischer von Rottenburg in Weilen als Kaplan tätig. Von 1711 bis 1718 amtierte Sigismund Bißwurm von Ulm in Weilen. Auf ihn folgte von 1722 bis 1729 Franz Schwenk; er war von Schömberg gebürtig. Von 1730 bis 1737 war Anton Hagios aus Villingen hier Kaplan.

Dann kam Vikar Gingeler (bis 1739). 1741 wird Vikar Eha genannt. Zwischendurch betreuten einige Jahre die Schömberger Pfarrer auch die hiesigen Gläubigen.

Von 1745 bis 1752 war dann Joachim Koch hier in seiner Geburtsheimat als Kaplan tätig. Er wurde in der hiesigen Kirche beerdigt (siehe Seite 123). Der Weilener Kaplan Joachim Koch und sein Kollege Joseph Rockenbach in Ratshausen haben in den Jahren 1746-1751einen harten Strauß mit dem Schömberger Pfarrer gefochten. Dieser zeigte sie beim bischöflichen Ordinariat an, weil sie ihm in der Schömberger Pfarrei nicht aushalfen. Daraufhin erhielten beide Kapläne eine Karzerstrafe von 3 Tagen. Mit allen möglichen Eingaben zogen die beiden Gerügten vor Obrigkeit und Gericht. Mit dem „Erfolg“, daß nach dem Tode von Kaplan Koch die Behörden beschlossen, das Beneficium in Weilen einige Jahre unbesetzt zu lassen.

Von 1762 bis 1780 war wieder ein Villinger Bürgerssohn hier als Kaplan tätig. Es war Georg Ludwig Sax, der 1710 in Villingen geboren wurde. Sein Vater wohnte ebenfalls in Weilen im Kaplaneihaus sowie die Schwester des Kaplans, Helene Sax, die sich im April 1763 mit dem Bauer Johannes Seifriz von hier verheiratet. Der Vater des Kaplans Sax ist hier gestorben.

Der Nachfolger von Kaplan Sax stammte wieder aus Villingen. Josef Held war 1740 in Villingen geboren worden. 21 Jahre lang wirkte er als Kaplan in Weilen, von 1780 bis 1801. Für die Kapläne Fischer, Sax, Held, Hagios und Schwenk wurden Jahrtage hier gestiftet, die noch vor dem Ersten Weltkrieg gelesen und dann in der Inflation aufgelöst wurden.

Von 1802 bis 1814 war der Pfarrkaplan Josef Krachenfels in seiner Heimat Weilen als Seelsorger tätig; er war 1774 als Sohn von Leonhard Krachenfels und seiner Frau Maria Anna Seifriz geboren worden. 1815 wurde er Pfarrer in Altoberndorf. In Rottweil ist er 1852 als Pensionär gestorben. Nach Kaplan Krachenfels folgten eine Reihe unständiger Geistlicher, welche nur kurze Zeit hier oder überhaupt nicht wohnhaft waren, wie sie heute (1968) noch der Fall ist.

Im Jahre 1831 wurde aber Weilen zur Pfarrei erhoben. Die Pfarrstelle wurde im Regierungsblatt ausgeschrieben. Sie wurde dem Pfarrverweser Josef Bauer in Rottum verliehen. Aber schon 1833 zog er nach Reute bei Biberach. Die Verwesung der Pfarrei Weilen übernahmen Pfarrer Vollmer und Pfarrverweser Goggel von Deilingen.

Der zweite Pfarrer der Pfarrstelle Weilen zog Ende 1836 auf. Es war Ambrosius Schöb, gewesener Konventual des aufgehobenen Franziskanerordens. Er starb schon 1841 und wurde auf dem hiesigen Friedhof begraben, wo sein Grab noch heute zu sehen ist.

Die verwaiste Pfarrstelle wurde zuerst von Deilingen aus versehen; dann waren drei verschiedene Verweser hier: Vogt, Steiner und Holl. Ende 1842 wurde die Pfarrstelle Weilen dem Pfarrer Ignaz Brechenmacher übertragen; er war 1812 in Ellwangen geboren. Im Jahre 1844 wurde Pfarrer Brechenmacher Kämmerer des Kapitels Schömberg. 1853 zog er nach Justingen bei Zwiefalten, wo er die dortige Pfarrei übernahm.

Nach Abzug von Brechenmacher kam Verweser Johann Walther aus Rottenburg für einige Monate. Er ließ den Plafond der Pfarrkirche mit einer gelben Farbe streichen. Dieser Zustand wurde von seinem Nachfolger Josef Schlipf, Doktor der Philosophie und vorher Pfarrer in Hohenasperg, geändert. Er wirkte hier bis Ende 1854.

Ihm folgte Lorenz Gunkel geboren in Untertalheim bei Horb. Er war hier Pfarrverweser bis 1859 und kam dann als Verweser nach Denkingen bis 1861. In diesem Jahr wurde ihm wieder die Pfarrstelle in Weilen übertragen; als Pfarrer wirkte Gunkel hier bis 1873. Er zog nach Merazhofen im Allgäu, wo er großes Heimweh hatte, was zu seinem schnellen Tode führte. Seine Schwester Luise Gunkel hatte sich hier mit dem Maurer Jakob Weinmann (Wagner Jakob) verheiratet.

In der Zeit, als Gunkel Verweser in Denkingen war, wurde die Pfarrstelle Weilen von Kaplan Schempele von Schörzingen und Verweser Lont von Frittlingen versehen. Nach dem Wegzug von Pfarrer Gunkel im Jahr 1873 war Kaplan Bauer aus Schörzingen hier tätig. 1874 wurde Pfarrer und Schulinspektor Fr. Ludwig Sautermeister hier investitiert. Er war vorher Pfarrer in Hausen a. Th. Gewesen. Als Naturfreund und Botaniker kannte er fast alle Pflanzen (vgl. Seite 177). Er hat zur Oberamtsbeschreibung von Spaichingen Wesentliches auf dem Gebiet der Pflanzenkunde beigetragen, so daß er dort mehrmals lobend erwähnt wird. Leider war dieser Pfarrer nicht lange in Weilen tätig. Nach 3 Jahren übernahm er die bessergestellte Pfarrei Schörzingen. Nach dem Wegzug von Sautermeister wirkte als Verweser Stiegele bis November 1877, als Matin Bucher, geboren 1837 in Göllsdorf, hier investiert wurde; er war vorher Pfarrer in Salach. Er zog 1891 von Weilen nach Zogenweiler bei Ravensburg.Von diesem Priester erzählten alte Leute, daß er ein sehr guter Mann gewesen sei und alles an die armen Leute verschenkte. Auch er hatte Heimweh nach Weilen; 1893 ist er auf seiner Pfarrei in Zogenweiler verstorben.

 

Michael Bullinger

 

Gotthold Stehle

1891 kam Pfarrverweser Dettinger nach Weilen; nach einem Jahr wurde er nach Epfendorf versetzt. Sein Vater stammte von Deilingen, und als Pfarrer Dettinger im hohen Alter von 80 Jahren im Jahre 1944 starb, wurde er wunschgemäß nach Deilingen überführt und dort beerdigt. 1892 wurde Pfarrer Michael Bullinger hier investitiert. Er war vorher Verweser in Epfendorf gewesen. Er war 1855 in Niederalfingen bei Aalen geboren worden. Während seine hiesigen Amtszeit wurde der Chor der Kirche angebaut und die Obstbäume im Pfarrgarten gepflanzt. Trotz seiner Strenge und leichten Erregbar-keit hatte er in gutes Herz und tat viel Gutes den Armen. 1901 zog Pfarrer Michael Bullinger nach Egelfingen bei Riedlingen. Im hohen Alter von 85 Jahren verstarb er in Wasseralfingen. 1901 kam von Egelfingen Verweser Miller; er war nur 10 Monate hier.

1902 zog Pfarrverweser Gotthold Stehle von Reichenbach im Täle zunächst als Verweser auf. Anton Gotthold Stehle war 1871 in Gärtringen geboren. Seine Eltern, Otto Stehle und Anna Maria geborene Secker, waren vor dem Ersten Weltkrieg einige Jahre lang in Weilen im Pfarrhaus wohnhaft. 1902 wurde dem Pfarrverweser Gotthold Stehle die Pfarrei Weilen verliehen. Er wirkte hier über 26 Jahre lang und war allgemein beliebt. Leider säte seine Haushälterin durch Schwatzhaftigkeit und Streitsucht Zwietracht zwischen Pfarrer und Gemeinde, weshalb Pfarrer Stehle 1927 von hier nach Wuchzenhofen im Allgäu zog. Stehle war über 10 Jahre lang Kämmerer des Kapitels Schömberg gewesen. Er starb 1948 im Ruhestand in Waldsee. In seinem Testament, das er nur 4 Tage vor seinem Tod machte, stiftete er der Kirchenpflege Weilen 2 000 DM; auch das Feldkreuz an der alten Wochenbergstraße in den Engstenhalden geht auf ihn zurück.

Auf Pfarrer Stehle folgte Pfarrer Franz Xaver Bertler, der 1875 in Scheer bei Sigmaringen geboren wurde. Er ließ sich 1943 in den Ruhestand versetzen und Starb im Jahre 1959 in Scheer.

Nach dem Wegzug von Pfarrer Bertler folgte Franziskanerpater
Hilarion Horz vom Franziskanerkloster in Rottweil als Pfarrverweser; er war 1895 in Winkel bei Köln geboren worden. Die Verwaltung der Pfarrei übernahm der Stadtpfarrer in Schömberg. Als 1944 die Bombardierung der Städte und Dörfer, besonders im Rheinland unerträglich wurde, musste auch eine Niederlassung von Barmherzigen Schwestern in der Gegend von Trier ihren Wirkungskreis verlassen. Bei ihnen war eine leibliche Schwester von Pater Hilarion. Diese schrieb ihrem Bruder Hilarion, ob er kein ruhiges Plätzchen wisse, wo man von den feindlichen Fliegern einigermaßen Ruhe hätte. So wurde im Benehmen mit dem Bürgermeister einigen Schwestern Aufnahme für die Dauer des Krieges bewilligt. Es kamen insgesamt 6 Franziskanerinnen nach Weilen, wovon 3 im Pfarrhaus wohnten und die anderen 3 in Privathäusern. Die leibliche Schwester von Pater Hilarion war Oberin und wohnte im Pfarrhaus. Fast 2 Jahre lang waren diese Schwestern hier und haben in dieser Zeit viel Gutes gewirkt. Unter anderem versorgte eine Schwester die Kinderschule, eine andere war Krankenschwester, und Schwester Regis war eine sehr gute Organistin und hat den Kirchenchor 2 Jahre lang geleitet. Im Jahre 1946 wurden die Schwestern von der Oberin des Mutterhauses in Trier hier wieder abgeholt. Auch Pater Hilarion wurde 1947 wieder nach Rottweil zurückberufen, zuerst noch auf den Palmbühl.

 

Franz Xaver Bertler

 

Hilarion Horz

Anschließend folgte kurze Zeit Franziskanerpater Suitbert, geboren 1908 in Oberhausen bei Bruchsal. 1947 wurde die Pfarrstelle Weilen und Ratshausen dem Pfarrverweser Friedrich Wilhelm Gieler verliehen; er war 1899 in Haagen in Westfalen geboren. Als Sitz des Pfarrers wurde Ratshausen, als die größte der beiden Pfarreien, bestimmt. Das Pfarrhaus in Weilen blieb leerstehen. 1947 kam ein Pensionär in das Pfarrhaus, und zwar Pfarrer i.R. Josef Traber. Er war zuvor Pfarrer in Hemmendorf bei Rottenburg gewesen. Er war aber krank und war meist abwesend in Krankenhäusern und Erholungsheimen. Im Jahr 1949wurde die Pfarrei Weilen dem Pfarrer Engst in Deilingen zur Mitbetreuung übergeben. Dieser Pfarrer hat die Gemeinde Weilen hinsichtlich des Gottesdienstes gut versehen.

 

Anton Denninger

 

Otto Kopp

1951 kam Anton Denninger, der fast 30 Jahre lang Pfarrer in Frittlingen war, nach Weilen. Er hat die Pfarrstelle Weilen bis 1961 muster-gültig versehen. Als kunstsachverständiger Priester hat er es fertiggebracht, daß die Kirche von Grund aus umgebaut und renoviert wurde. Ein neues Gestühl und eine elektrische Heizung wurden eingebaut; die Orgel erhielt einen Elektromotor. Pfarrer Denninger hat nicht nur mit Rat und Tat bei den einzelnen Restaurationen mitgeholfen, er hat auch finanziell für die Kirche viel gegeben. Nach seinem Wegzug nach Rottweil als Pensionär hat er noch einige Jahre an Weihnachten, Ostern, Christi Himmelfahrt, Fronleichnam und Allerheiligen sowie an sonstigen Festen die Gottesdienste hier gehalten, trotz seines hohen Alters von über 80 Jahren.

Nach dem Wegzug von Pfarrer Denninger wurde die Pfarrei Weilen von Stadtpfarrer Otto Kopp von Schömberg versehen. Während seiner Amtstätigkeit wurden 1963 die beiden neuen Glocken beschafft. Als Stadtpfarrer Kopp nach Schwäbisch Hall versetzt wurde, kam Karl Zink nach Schömberg; ihm wurde die Stadtpfarrei Schömberg übertragen und auch die Pfarrei Weilen. Stadtpfarrer Zink ist gebürtig von Wernau bei Esslingen.

 

Karl Zink

 

Erwin Hermann

Wenn auch heute noch Weilen Pfarrei ist, so wird der Ort wieder wie vor Jahrhunderten, als es hier nur eine Kaplanei gab, vom Schömberger Pfarrherrn betreut. Pfarrer Hermann von Schörzingen hilft bei der Pastoration und im Schulunterricht aus.

5.2 Das einstige Kaplanei- und Pfarrhaus von Weilen

In der alten Oberamtsbeschreibung von Spaichingen von 1876 heißt
es, daß das Pfarrhaus in Weilen 1741 neu erbaut wurde. Das ist auch nachweisbar in Aufschrieben der Pfarr- bzw. Kirchenpflegeakten. Das frühere Kaplaneihaus stand am gleichen Platz wie das Pfarrhaus. Die Wohnung für die Kapläne und die Unterbringung der Zehntfrüchte für die Kaplanei brauchte vor 1741 viel Platz. Der große Platz, worauf das Pfarrhaus steht, sowie ein Hektar Wiesen hinter dem Pfarrhaus wurden schon vor dem Jahre 1400 gestiftet.

Das ehemalige Kaplanei- und Pfarrhaus wurde als großes Bauernhaus gebaut. Da Pfarrer und Kapläne die Pfründgüter, zum Teil 19 Morgen, selber bewirtschafteten bzw. durch Knechte und Mägde bewirtschaften ließen. Die Bühnenräume und Fruchtböden sind in 3 Stockwerken sehr umfangreich; es bestand bestimmt kein Platzmangel für die Unterbringung der Zehntfrüchte, des Holzes und anderen Hausrats. Wie schlecht der Zustand des Pfarrhauses im Jahre 1812 war, beweist das Gutachten eines Bausachverständigen. Darin heißt es: „Am Kaplaneihaus samt Scheuer ist der Verputz sehr mangelhaft und verwittert, sowohl der Südgiebel als auch die Westseite. Kostenvoranschlag etwa 30 Gulden. Die Heuböden ob dem Stall sind ganz faul und teilweise zerbrochen. Kosten für neue Böden 16 Gulden und 40 Kreuzer. Ebenso sind 3 Zimmerböden ob dem Stall ganz faul und zum Teil die Löcher mit Stücken zugedeckt. Kosten für neue Böden etwa 17 Gulden. Auch die Fruchtböden auf der Bühne, wo die Zehntfrucht gelagert wird, sind ganz morsch und faul und würde deren Neufertigung etwa 13 Gulden betragen.

Ob damals ein Umbau erfolgte, ist nicht gewiss. Sein heutiges Aussehen erhielt das Pfarrhaus im Jahre 1902; es wurde im Innern umgebaut, so wie es heute ist. Als 1943 der mit Bruchstein gewölbte Keller im Gewölbe einzustürzen drohte, wurde er ganz herausgerissen und durch ein Betongewölbe ersetzt. Auch ein Boden aus Backsteinen wurde auf dem Schieferboden aufgelegt. Seit Anfang Mai 1961 steht das Pfarrhaus hier leer und wird nicht mehr bewohnt, da wir keinen eigenen Pfarrer haben.

Noch etwas über die Bäume beim Pfarrhaus: Die Obstbäume hinter dem Pfarrhaus hatte der Pfarrer Michael Bullinger in den Jahren 1894 bis 1898 pflanzen lassen. Die große Linde vor dem Pfarrhaus wurde im Jahre 1851/52 gesetzt, die Linde beim Schulhaus 1863. Die beiden jungen Linden westlich der Kirche hat der Verfasser im Mai 1945 zum Dank für die Beendigung des Krieges gesetzt.

 

Das geräumige Pfarrhaus von Weilen steht heute leer. Es ist vor über 200 Jahren an der Stelle des früheren Kaplaneihauses erbaut worden. Die Gemeinde wird jetzt von Pfarrern aus benachbarten Orten betreut.

5.3 Die Erbauung und Renovierung der Kirche

Schon ums Jahr 1400 stand ein Kirchlein am jetzigen Kirchplatz. Die heutige kleine Glocke wurde bereits zwischen 1400 bis 1405 in Rottweil von der Glockengießerei Klain gegossen. Aus dem Jahre 1571 stammt die zweite Glocke ebenfalls vom gleichen Glockengießergeschlecht in Rottweil. Es waren also seit 1571 schon 2 Glocken vorhanden; aller Wahrscheinlichkeit nach war der erste Kirchturm nur ein Dachreiter wie in Ratshausen. Der zweite nachweisbare Kirchturm wurde aus Steinen 1595/96 gebaut und war 22 Meter hoch. Bei der Kontrolle der kirchlichen Gebäude durch eine Kommission aus Stuttgart wurde dies im Jahre 1912 festgestellt. Der heutige Kirchturm wurde 1841 neu aufgebaut, wobei die Kirche gleich um 10 Schuh = 2,86 Meter nach Südwesten verlängert wurde. Samt dem Kreuz ist er 27,50 Meter hoch. Die Gesamtkosten betrugen 3 200 Gulden, wobei aber zu beachten ist, daß die Erweiterung der Kirche sowie der Einbau der Orgel in diesem Betrag enthalten sind; auch die Uhr mit 2 Uhrtafeln ist darin inbegriffen. Von den Baukosten steuerte die Kirchenpflege Weilen den Betrag von 700 Gulden bei, der Staat Württemberg 180 Gulden, der katholische Kirchenrat in Stuttgart 315 Gulden 57 Kreuzer, und den Rest bezahlte die bürgerliche Gemeinde Weilen mit 2000 Gulden. An den Baukosten hätte sich die Stadt Schömberg, die Gefälle in Weilen 1822 vom badischen Staat erworben hatte (siehe Seite 51), beteiligen sollen. Sie weigerte sich aber, so daß es zu einem Prozeß zwischen Weilen und Schömberg kam. Dieser zog sich 3 Jahre lang hin. Die Kosten dieses Prozesses beliefen sich auf insgesamt 501 Gulden. In dritter Instanz wurde vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart am 31. März 1840 zugunsten der Stadt Schömberg entschieden, da keine schriftlichen Unterlagen über die Verpflichtung der Baulast vorhanden waren. Die Akten waren seinerzeit bei der Säkularisation vernichtet worden. Aber trotz dieser Niederlage erbaute die Gemeinde Weilen den Turm und vergab die Arbeiten im Akkord. Der Kirchturm wurde im Herbst 1963 neu verblendet; auch erhielt er 4 neue Uhrentafeln von der Firma Benedikt Schneider in Schonach, die 1929 die Kirchenuhr geliefert hatte.

Das Langhaus des heutigen Gotteshauses stammt zum Teil aus dem Jahre 1751, als die Kirche abgebrochen und wiederaufgebaut wurde. Am 9. September 1762 wurde die neu aufgebaute Kirche von Weihbischof Fugger aus Konstanz (damals Sitz der Diözese) eingeweiht. Zugleich mit dieser Einweihungsfeier firmte Bischof Fugger in der neuen Kirche nicht nur die Weilener Firmlinge, sondern auch Schörzinger, Ratshausener und andere. Da eine Firmung schon seit längerer Zeit nicht mehr stattgefunden hatte, betrug die Zahl der Firmlinge allein in Weilen 87 Kinder und Jugendliche, die zum Teil über 20 Jahre alt waren.

 

Inneres des katholischen Gotteshauses von Weilen. Links: Barockkanzel und spätgotische Pieta. Die Figuren des Hochaltars sind kurz vor der Reformation geschaffen worden. Rechts: Josefsaltar, spätgotisches Sakramentshäuschen und Barockmadonna.

Interessant dürfte das Baugutachten des Landesbaukontrolleurs Groß von Stuttgart sein, das im Jahr 1812 über die kirchlichen Gebäude erstellt worden ist. Es heißt darin: „Am 24. August 1812 weilte der Landesbaukontrolleur Groß von Stuttgart und Herr Kammerverwalter Horlin aus Rottenmünster hier, um unter anderem auch die kirchlichen Gebäude zu prüfen auf ihren baulichen Zustand.“ Es heißt weiter: „Heuer kommt zu bauen vor der Kirchturm, welcher 1595 von lauter Steinen, die Eck von lauter verschränkten großen Quadern, das Übrige von rauen Mauersteinen 75 Fuß hoch (1 Fuß = 0,286 Meter) und 16 Fuß in allweg und in drei Stockwerken mit Schlaudern versehen bebaut. Dieser Turm hat sich seit etlichen Jahren auf einer Seite so versetzt, daß er schon um einen ganzen Schuh übersteht, wovon der Grund darinnen liegen mag, daß vor ungefähr 60 Jahren die Kirchen wieder neu gebaut wurden, der eine Giebel an den Turm auf jeder Seite 7 Schuh vor-stehend angebaut wurde, woraus es sich dann weiter ergibt, daß der Turm auf derjenigen Seite, wo er sinkt, das ganze Giebeleck, wie ein großes Stück Mauer von der Länge der Seitenwand der Kirche heraustreibt. Von der Kirche ist oben schon wenigstens 4 Zoll hinweggerissen. An diesem Turm, an welchem noch die Seitenwand ausgewittert ist, wurde seit unfürdenklichen Jahren nichts mehr gemacht. Die Reparation desselben wird auf einen Lokal-Augenschein des Landesbaukontrolleurs ausgesetzt. Kostenvoranschlag 800 Gulden. Das Kirchendach ist sehr notwendig umzudecken. Die Kirche samt Chor ist 80 Fuß lang (22,88 m) und 30 Fuß breit (8,58m) und enthält samt der Sakristei 10 575 Ziegel. Diese umzudecken First, Grät und Ortgänge gut einbinden, Material – Latten, Nägel und etwa 2 000 neue Ziegel sowie 11 000 neue Schindeln, Mörtel – Kostenvoranschlag von mindestens 63 Gulden und 49 Kreuzer. Hohlziegel, Nägel und Latten dazu mit etwa 16 Gulden und 50 Kreuzer. Das Schiff der Kirche ist, 60 Fuß lang und 30 Fuß breit. Die ganze Kirche ist ringsum auf dem Boden 3 bis 4 Fuß hoch zu bestechen und das viele Gebüsch, welches an der Kirche steht, ist wegzuschaffen. Kosten dieser Arbeiten etwa 5 bis 6 Gulden. An dem Vorhäuschen, welches außen an dem Turm angebracht ist, ist das Dach auszubessern sowie die Nebenwandungen. Da der Eingang in die Kirche durch den Turm geht, so wurden die zwei Bogen durch das Setzen des Turmes ganz locker, so daß dieselben wieder verspannt, ausgebessert und bestochen werden müssen. Ebenso sind die anderen zwei Türgestelle, welche ebenfalls durch das Setzen der schlechten Fundamente gewichen sind, wieder frisch zu setzen, Voranschlag 20 Gulden. Nebenbemerkung: Durch eine richtige Reparatur oder Umbau de Turmes würde das Vorhäuschen entbehrlich und könnt entfernt werden. Auch innen in der Kirche ist der Bestrich an den Mauern wegen Feuchtigkeit ganz hinweggefallen. Ebenso sind die Risse in der Gisdecke auszubessern. Kostenvoranschlag 12 Gulden. Die ganze Kirche ist unter Dach auf der Bühne nicht belegt, so daß ohne Gefahr nicht ein Ziegel gestoßen werden kann, woher es auch kommt, daß der Schnee überall eindringt und die Gisdecke großen Schaden leidet. Es wären deswegen neue gefalzte Bretter auf die Bühne zu bringen und alles zu belegen. Kosten 56 Gulden und 8 Kreuzer. Auf dem Chor ist dasselbe zu machen. Kosten 13 Gulden und 12 Kreuzer.“

Im Jahre 1900 wurde der jetzige Chor an die Kirche angebaut, da die Kirche zu klein war. Der Beschluss zum Choranbau wurde bereits im Jahre 1899 gefasst. Die erste Fuhre Tuffstein aus dem Bäratal brachte der Restaurationswirt Martin Weinmann von Deilingen. Im ganzen wurden zwischen 55 und 60 cbm Tuffstein aus dem Bäratal zugeführt, alles mit Pferdegespannen. Am 18. April 1900 wurde dann mit den Bauarbeiten begonnen; die Gottesdienste wurden im Schulsaal abgehalten. Unternehmer der Maurerarbeiten war Karl Kiener aus Schömberg. Die Gipserarbeiten wurden von den Brüdern Bernhard und Martin Koch ausgeführt. Außer dem neuen Chor wurde der ganze Plafond des Kirchenschiffes und die Wände mit einem neuen Putz versehen. Als dritter Gipser war noch Johann Koch von Schörzingen tätig. Alle Gipser waren von Schörzingen. Am 31. Mai und 1. Juni 1900 wurde der Anbau des Chors aufgerichtet. Der Richtschmaus fand im Gasthaus Waldhorn statt; die Bauhandwerker erhielten 57 Liter Bier, Schweinebraten, Salat und Kraut sowie je 4 Zigarren. Bei der Konstruktion der Zimmerarbeiten am Dachaufbau war den Zimmerleuten ein Fehler unterlaufen; daher musste ein Absatz zwischen Schiff und Chor in die Dachfläche gemacht werden. Dieser Fehler wurde bei der Renovation des Daches im Frühjahr 1968 behoben, so daß das Dach jetzt gleichmäßig fortläuft. Am 17. Oktober 1900 wurde die erweiterte Kirche von Dekan Bauer aus Roßwangen unter Teilnahme von 8 auswärtigen Geistlichen eingeweiht. Im Jahre 1923 wurde die Kirche frisch gestrichen und der jetzige Hochaltar aufgebaut. (siehe Kapitel 5.4).

 

Das älteste Kunstdenkmal in der Kirche ist das spätgotische Sakramentshäuschen; es diente in der alten Kirche als Tabernakel.

Bei den Bauarbeiten des Choranbaus im Jahre 1900 stieß man auf das Grab eines verstorbenen Geistlichen, welches sich im Gang vor dem früheren Hochaltar befand, an der Stelle, wo heute die Bänke nach vorne aufhören. Dort lag eine Sandsteinplatte, auf der Kreuz, Stola und Kelch eingehauen waren. Der Eichensarg und die Gebeine waren noch gut erhalten. Es wurde alles wieder an der gleichen Stelle der Erde übergeben, und das Grab wurden durch den damaligen Pfarrer Bullinger eingesegnet. Es erhob sich die Frage, wer der Geistliche überhaupt war; erst in den Akten der Pfarrei wurde festgestellt, daß es sich um den in Weilen geborenen und auch gestorbenen Kaplan Joachim Koch handelt. Er ist 1713 hier als Sohn von Joachim Koch, Bauer und Kreuzwirt, und dessen Ehefrau Magdalena geborene Bernhard zur Welt gekommen. Der Großvater des Kaplans Joachim Koch war Vogt Johann Georg Koch (Kleinjörg), der auch zur Kaplanei Weilen gestiftet hatte. Kaplan Joachim Koch wirkte 7 Jahrelang als Priester in seiner Heimatgemeinde, von 1745 bis 1752, als er an einer Blinddarmentzündung mit erst 39 Jahren starb.

In den Jahren 1952/53 erfolgte eine Renovation der Kirche von Grund auf. An der rechten Seitenwand wurde ein großes Stück herausgerissen und neu aufgemauert; dann wurde die decke mit Stuckwerk versehen und die ganze Kirche neu gestrichen. Die Gesamtleitung hatte Restaurator Andreas Knupfer von Jungnau bei Sigmaringen. Er hat auch den Altar und die Kanzel neu gefasst und zum Teil vergoldet. Der Männeraltar im Barockstil wurde an die Gemeinde Imnau verkauft. Dort wurde er als Hochaltar aufgestellt, rechts und links mit 2 großen, überlebensgroßen Heiligenfiguren versehen. Im Jahre 1960 wurden in der Pfarrkirche sämtliche Bänke herausgerissen, und auch die Bodenlager und Bodenbretter wurden durch neue ersetzt. Die Bänke sind jetzt gegenüber früher viel bequemer zu den Knien. Im Anschluss wurde dann noch eine elektrische Heizung für die ganze Kirche und Sakristei eingebaut. Diese Baumaßnahmen von 1952 bis 1961 sind unter Pfarrer Anton Denninger durchgeführt worden, der auch selber finanziell sehr viel dazu beigesteuert hat. Am 11. August 1961 schlug abends um 22 Uhr der Blitz bei einem schweren Gewitter in den Kirchturm ein und warf mehr als das halbe Dach herab; auch der westliche Gratsparren wurde zerfetzt und herab geworfen. Es wurden sofort ein neuer Dachstuhl und neue Ziegel angebracht sowie ein Blitzableiter an Turm und Kirche eingebaut. Im Herbst 1967 und Frühjahr 1968 wurde ein neues Dach auf Kirche und Sakristei gemacht sowie ein neuer Verputz angebracht. Im Herbst 1967 wurde die ganze Kirche entwässert, indem rings um die Außenmauern ein tiefer Graben ausgehoben, Drainageröhren an den Fundamenten entlang gelegt und darauf Wandkies aufgefüllt wurden. In der Sakristei wurde dann noch die Wasserleitung eingebaut.

Zur Zeit (1968) ist die Kirche bereits wieder zu klein geworden, aber eine Erweiterung kommt vorerst nicht in Frage. Die Innenraummaße sind wie folgt: Das Schiff 19,50 m lang, 7 m breit und 5,50 m hoch. Die Akustik ist nicht gut, da die Kirche zu niedrig ist. Der Ausbau und die Ausstattung der Pfarrkirche ist sehr gut. Die Pfarrgemeinde Weilen hat für die bereits aufgeführten Baumaßnahmen (Innen- und Außenarbeiten) seit 1950 bis heute annähernd 100 000 DM gespendet. Die Kirche steht unter Denkmalschutz, und es darf ohne Einverständnis dieser Institution nichts verändert oder gebaut werden. An Beiträgen haben wir aber noch keine 3 000 DM erhalten.

 

Die katholische Pfarrkirche von Weilen unter den Rinnen vor der Renovation

5.4 Die Figuren des Hochaltars und der Nebenaltäre

Bis zum Jahr 1874 war ein Barockaltar in der Weilener Kirche als Hochaltar aufgestellt Das Mittelstück dieses sehr schönen und wertvollen Altars mit dem Tabernakel stand noch nach dem Ersten Weltkrieg auf die Kirchenbühne; er wurde von Pfarrer Bertler zusammen mit einer gleichfalls wertvollen Figur des Erzengels Michael mit Waage an einen Kunsthändler verkauft.

Als Nachfolger des alten Barockaltars wurde ein neuer, aber wertloser Hochaltar in Schreinergotik aufgestellt; er wurde 1875 von der Sigmaringer Firma Marmon für 1 370 Mark hergestellt. Dieser Altar wurde im Jahre 1923 durch den jetzigen Hochaltar ersetzt. Weilen kann sich rühmen, den schönsten und wertvollsten Altar der näheren und weiteren Umgebung zu besitzen. Dieser Flügelaltar, dessen Flügel von Kunstmaler August Blepp von hier mit wertvollen Bildern des Kirchenpatrons Nikolaus und auf der Rückseite des leidenden Christus und der Schmerzensmutter bemalt wurden, wird von den Weilenern viel zu wenig geschätzt. Die beiden Figuren des heiligen Johannes des Täufers und des heiligen Nikolaus standen schon im früheren Hochaltar. Die anderen Figuren St. Katharina, St. Ottilie und die Himmelskönigin mit dem Jesuskind auf dem Arm sowie die beiden Brustbilder von St. Margaret und St. Anna standen bis 1923 in der Kapelle ganz verlassen und verstaubt. Es ist n der Hautsache dem Kunstmaler Blepp zu verdanken sowie dem damaligen Pfarrer Stehle und dem Kunstsachverständigen der Diözese Rottenburg, Pfarrer Pfeffer von Lautlingen, daß diese Figuren in dem Altarschrein zusammengefasst wurden. Die Figuren hatten durch den Holzwurm sehr gelitten, wurden aber durch den Restaurator Andreas Knupfer in Jungnau behandelt und restauriert. Die Hochaltarfiguren werden durch eine doppelte Sicherheitsanlage vor Diebstahl gesichert, obwohl die Figuren nicht gut zu verkaufen sind, schon wegen ihrer Größe. Den Künstler dieser Figuren kennt man namentlich nicht. Er wird Meister von Weilen genannt, da Weilen die meisten Werke von dieses Meisters besitzt. Es gibt noch mehrere Werke von diesem unbekannten Künstler, u. a. auch den herrlichen Altar, welcher im Freiburger Münster steht. Auch in der Lorenzkapelle zu Rottweil sowie in einigen anderen Kirchen der weiteren Umgebung sind Figuren von ihm aufgestellt. Pfarrer Denninger hat alle Werke des Meisters zusammengetragen, photographiert und in einem Buch beschrieben.

Der frühere Marienaltar wurde 1883 von Bertsch, Dormettingen, durch einen wertlosen neuen Altar mit Spitztürmen ersetzt. In der Oberamtsschreibung von 1876 heißt es, daß der Vorgänger, auch im Barockstil, am 6. Oktober 1682 eingeweiht wurde. Dieses Datum steht heute noch auf der Marmortafel im Altarstein. Der von hier stammende Bildhauer Koch in Furtwangen stiftete eine Statue der seligen Jungfrau für den Marienaltar. Heute ist dort eine alte Pieta (Statue der schmerzhaften Gottesmutter) aufgestellt; diese stammt aus den Jahren zwischen 1400 und 1450.

 

Josefaltar

Der Josefsaltar auf der Männerseite im Barockstil wurde am 9. Mai 1901 aufgestellt. Er wurde von Bildhauer Burry aus Rottweil gefertigt und kostete 550 Mark. Wie bereits auf der Seite 124 berichtet, wurde dieser Altar bei der Kirchenrenovation Anno 1952 an die Pfarrei Imnau (Kreis Sigmaringen) verkauft. Der heutige Nebenaltar, der den Tod des heiligen Josef darstellt, ist ein Geschenk von Pfarrer Denninger (1952).

 

Die 500 Jahre alte Pieta

Die Kirchenpflege Weilen kaufte 1831 von Erlaheim für 85 Gulden die alte Orgel und ließ diese hier von Orgelbauer Braun aus Spaichingen einbauen. Sie hat noch gute Dienste geleistet, bis eine neue Orgel im Jahre 1914 für 3 400 Mark von der Firma Gebr. Stehle in Bittelbronn/Hohenzollern gekauft wurde. Diese wurde 1953 nach der Kirchenrenovation überholt, und jetzt bläst ein Elektromotor durch den Blasebalg die nötigen Luftmassen ein. Die Orgel hat 9 klingende Register, 5 Kopplungen und 2 Manuale.

5.5 Die beiden alten und die beiden neuen Glocken

Die Kirchenglocken rufen die Kirchengemeinde zu den Gottesdiensten und zum Gebet. Sie begleiten uns mit ihren ehernen Klängen durch das Leben. Schon gleich nach unserer Geburt rufen sie uns zur Taufe in das Gotteshaus, und traurig klingt ihr Klang, wenn man unsere sterblichen Überreste zum Friedhof bringt, um sie dort der Erde zu übergeben. Wie freudig klingt ihr Rufen, wenn sie an Festtagen zum Gottesdienst läuten oder gar wenn ihr Klang zur ersten heiligen Kommunion oder zur Trauung erschallt.

Die Glockengießer treffen vor dem Guß ihre Vorbereitungen mit aller Sorgfalt; der eigentliche Guß ist ein feierlicher Akt. Vor der Benützung und dem Hochziehen der Glocken auf den Kirchturm werden die Glocken vom Bischof oder Dekan feierlich geweiht.
Seit Juli 1963 hat die Kirchengemeinde Weilen 4 Glocken. Zuerst soll über die beiden alten Glocken berichtet werden und über ihre zum Teil bewegte Vergangenheit, die sich schon durch ihr hohes Alter zwangsläufig ergibt. Die beiden alten Glocken hängen nach sicheren schriftlichen Unterlagen in Weilen bereits auf dem dritten Kirchturm. Der erste Turm wurde 1595/96 abgebrochen und durch einen neuen aus Steinen mit Eckquadern ersetzt; der jetzige Turm wurde 1841 neu gebaut.

Die älteste kleine Glocke wurde um das Jahr 1400 in Rottweil von dem Glockengießergeschlecht Klain gegossen. Der Ton dieser Glocke ist Es. Der untere Durchmesser beträgt 71 cm; das Gewicht etwa 270 bis 300 kg. Die Aufschrift in Minuskelschrift lautet: „o rex glorie Christi veni cum pace – hans klain un oswalt sant lugs, sant marx, sant mathes, sant johanes“. Auf deutsch: „ O König der Herrlichkeit, Christus, komm mit Frieden“, und dann werden die Gießer sowie die 4 Evangelisten genannt.

Die größere zweite Glocke hat ein Gewicht von etwa 450 kg. Der Ton ist B, und die Aufschrift lautet: „sant lugs, sant marx, sant mathes, sant johanes 1571 – oswalt klain.“ Von diesen beiden alten Glocken sollte schon im Ersten Weltkrieg eine abgeliefert werden. Infolge des hohen Alters und einer Eingabe mit Zeichnung an das Amt für Denkmalpflege durften wir die Glocken behalten. Im Zweiten Weltkrieg aber musste trotz verschiedener Eingaben an das Landratsamt Balingen, an die Kreisleitung und an das Amt für Denkmalpflege die größere Glocke abgeliefert werden. Jeder Ort durfte nur eine Glocke behalten. Am 20. März 1942 wurde die Glocke mit einem Lastwagen abgeholt. Vor der Abnahme waren nochmals beide Glocken etwa 20 Minuten lang zusammen geläutet worden. Viele, besonders ältere Einwohner, haben geweint, weil ihnen der Abschied von der liebvertrauten alten Glocke schwerfiel. Zum Glück für die Gemeinde und die Pfarrei Weilen traf aber von Stuttgart im Herbst 1947 die Nachricht ein, daß unsere abgelieferte Glocke noch auf dem Lagerplatz in Lünnen bei Hamburg mit einigen hundert anderen Glocken liege. Die nötigen Schritte für die Freigabe wurden dann über das bischöfliche Ordinariat in Rottenburg eingeleitet. AM 9. Februar 1948 brachte Stadtpfarrer Lackner von Schömberg unsere Glocke, welche er zusammen mit einer anderen zurückgegebenen Glocke in Balingen abgeholt hatte, mit einem Lastwagen zurück. Als Pfarrer Lackner mit dem Lastwagen oben am Withau war, hielt er an und hieß einige Buben die Glocke auf dem Turm zu läuten. Als die kleine Glocke vom Turm ihre zurückkehrende Schwester um 5 Uhr abends begrüßte, erschraken viele Leute. Am Sonntag darauf wurde dann die Glocke in feierlicher Weise in Anwesenheit der ganzen Gemeinde und einiger auswärtiger Personen geweiht. Der Kirchenchor sang ein für diese Feier extra komponiertes Lied. Nach kurzer Ansprache des Ortsgeistlichen fand in der Kirche noch ein Dankgottesdienst statt. Tags darauf wurde die zurückgekehrte Glocke wieder auf den Kirchturm hochgezogen und neben ihre Schwester aufgehängt. Nach der Montage läuteten beide Glocken längere Zeit zusammen.

 

Die über 500 Jahre alte Glocke auf dem Turm

 

Wiederinstandsetzung des Kirchturms nach dem Blitzschlag am 11.August 1960

Im verlauf der folgenden Jahre hatten fast alle umliegenden Gemeinden neue Glocken beschafft. Im Frühjahr 1963 wurde von Stadtpfarrer Kopp von Schömberg, welcher zugleich Pfarrer von Weilen war, in einer Gemeindeversammlung beschlossen, 2 weitere neue Glocken zu beschaffen. Diese wurden bei der Glockengießerei Bachert in Heilbronn bestellt und am 30 Mai 1963 gegossen. Beim Glockenguss waren über 30 Personen von Weilen dabei, unter Führung von Stadtpfarrer Kopp, der jetzt Dekan in Schwäbisch Hall ist. Am 13. Juli wurden die neuen Glocken in der Glockengießerei mit 2 Lastwagen von Eugen Seifriz und Matthäus Eckenweber abgeholt und auf dem Kirchplatz vor der Kirche auf einem bereits zuvor erstellten, Gerüst aufgehängt und bekränzt. Am Sonntag, dem 21. Juli, wurden die beiden neuen Glocken von Dekan Betting von Balingen feierlich geweiht. Außer dem Dekan wirkten mit Stadtpfarrer Kopp von Schömberg, Pfarrer i. R. Anton Denninger von Rottweil und Pfarrer Hermann von Schörzingen. Zur Glockenweihe kamen sehr viele Fremde; die Kirche hätte die vielen Besucher nicht fassen können. Neben dem Kirchenchor wirkte auch die Musikkapelle mit. In der folgenden Woche wurden dann die beiden neuen Glocken in einem neuen Glockenstuhl von der Firma Bachert zusammen mit den beiden alten Glocken aufgehängt; die Firma Hortz in Ulm baute ein neues Schlagwerk ein. Die größere der neuen Glocken hat ein Gewicht von 692 kg und ist der heiligen Familie geweiht. Der Ton ist G. Das Bild der heiligen Familie schmückt diese Glocke; die Aufschrift lautet: „Auf Euch wir bauen und fest vertrauen = Jesus Maria Josef.“ Die kleinere Glocke ist von der Familie Matthäus Eckenweber gestiftet worden. Sie zeigt das Bild des heiligen Michael mit Waage und Schwert. Die Aufschrift lautet: „Ihr Engel und Diener des Herrn, schützt uns im Leben und Sterben.“ Auf der Rückseite: „Gestiftet aus Dankbarkeit v. Fam. Eckenweber.“ Diese Glocke ist auf den Ton C abgestimmt. Ihr Gewicht beträgt 232 kg. Das schöne Geläut wurde schon 2 mal vom Südwestfunk aufgenommen und bei Sendungen ausgestrahlt. Die Harmonie des Gesamtgeläuts ist sehr gut gelungen.

 

Glockenweihe am 21. Juli 1963 durch Dekan Betting von Balingen

5.6 Gefallenenkapelle und Kreuz auf dem Friedhof

Bis zum Jahre 1812 wurden die verstorbenen der Gemeinde Weilen auf dem Friedhof in Schömberg beerdigt. Auch die Geburten, Eheschliessungen und Sterbefälle wurden nicht von den Kaplänen, sondern vom Stadt-pfarrer bis zum Jahre 1784 aufgeschrieben. Da aber der Friedhof in Schömberg damals schon zu klein war, weil außer den Toten von Weilen auch noch diejenigen von Ratshausen und Dautmergen dort beerdigt wurden, hatte der Weilener Gemeinderat schon 1808 und früher beschlossen, einen eigenen Friedhof anzulegen. Weilen wies 1812 bereits 305 Einwohner aus.

Die Gemeinde hatte dem Oberamt Spaichingen berichtet, daß sie Plätze für einen Friedhof bereits vorgesehen habe. So kam im 1809 Oberamtsarzt Dr. Braun von Spaichingen nach Weilen, um diese vorgeschlagenen Plätze zu besichtigen: 1. den Mesnergarten bei der Kirche, der aber als viel zu klein bezeichnet wurde; 2. den Platz um die Kirche = Pfarrgarten, der auch als nicht geeignet angesehen wurde, weil nach den neuen Bestimmungen die Friedhöfe möglichst außerhalb der Ortschaften angelegt werden sollten;
3. den jetzigen Platz des Friedhofes, der dann vom Oberamt als günstig bezeichnet und genehmigt wurde. Dieser Platz war aber damals nicht so groß, wie er heute ist, denn das obere Drittel wurde erst 1857 dazugekauft. Am 11. April 1813 wurde die erste Leiche – ein Kind von 3 Jahren und 10 Monaten (Michael Witz) – beerdigt. Im selben Jahre 1813 wurden noch weitere 11 Personen, darunter 4 Kinder, auf diesem neuen Friedhof zur letzten Ruhe bestattet.

Als sich der Friedhof bereits 1857 als zu klein erwies, kam es zu einer Verlängerung um einige Meter dem Ort zu. Doch das Oberamt reklamierte, weil durch die Verlängerung des Friedhofes nur noch 30 Schritte Entfernung wären zu den nächsten Häusern. Darauf erwiderte ein Gemeinderat dem Oberamtmann und dem Oberamtsarzt: „Die Toten fügen den Lebenden kein Leid mehr zu, und sie brauchen nicht mehr gefürchtet werden, daher ist diese Beanstandung auch Grundlos.“ Auf der westlichen Seite des Friedhofes stand eine hohe Pappel. Diese musste wegen ihrer dürren Äste anfangs dieses Jahrhunderts gehauen werden. Die älteren Leute werden sich noch gut an diese Baum erinnern können.

Die Toten wurden in verschiedenen Lagen bestattet. Vor dem Ersten Weltkrieg befand sich der Kinderfriedhof im nördlichen Rondell, an dem Platz, wo heute die Kriegergedächtniskapelle steht. Auch gab es eine Reihe Gräber Erwachsener unterhalb des Eingangsweges. Im Jahre 1924 begann man mit einer Grablage, die sich nicht bewährte und den Einwohnern nicht zusagte. 1938 kehrte man zu der früheren Grablage zurück. Der Kinderfriedhof befindet sich jetzt im südlichen Teil des Friedhofes. Im Jahre 1964 wurde auch eine Wasserleitung angelegt, damit die Gräber besser gepflegt werden können. Zum Gießen der Blumen ist dies im Sommer geschickt.

Das Kruzifix, auf dem Friedhof, welches 1812 neu beschafft wurde, nachdem es in Verlaufe der Jahrzehnte verfallen war, wurde 1857 durch ein neues Feldkreuz mit einem Christuskörper ersetzt, der von dem Bildhauer Mauthe aus Obernheim gefertigt wurde.

Früher standen am Eingang zwei Holzpfosten. Diese mussten mindestens alle 10 Jahre durch neue ersetzt werden, da sie die schweren eisernen Tore wegen Abfaulens nicht mehr halten konnten. Im Jahre 1946 hat das Sägewerk Beda Koch 2 Betonpfeiler gestiftet und einbetoniert, die Generationen aushalten werden. Im Jahre 1965/66 wurde der Friedhof in den Hauptwegen mit einer Makadamdecke versehen; die Nebenwege wurden mit Kies belegt.

Der schönste Schmuck des Friedhofes ist die Kriegergedächtniskapelle. Diese wurde 1957-1959 gebaut. Die Pieta wurde von dem Bildhauer Gebhard in Isny geschaffen und von dem Restaurator Andreas Knupfer in Jungnau gefasst. Auf 4 großen Tafeln sind die Namen der in den Kriegen von 1812 bis 1945 Gefallenen und Vermissten aus Weilen aufgeschrieben. Als Leitspruch am Fuße der Pieta und des Altares hat Pfarrer Denninger den Leitspruch anbringen lassen: „Der Liebe und dem Schmerz geweiht.“ Am Gefallenensonntag 1959 wurde die Kapelle von Pfarrer Denninger unter Mitwirkung des Kirchenchores und der Musikkapelle feierlich eingeweiht.

 

Das über 100 Jahre alte Kreuz auf dem Friedhof

 

Die altehrwürdige Ottilienkapelle vor der Renovierung

 

Ottilienkapelle nach der Renovierung

5.7 Ottilienkapelle – Kirche eines ehemaligen Ortes

Das älteste Gebäude auf der Markung Weilen dürfte die Ottilienkapelle sein, früher auch Marienkapelle genannt. Sie liegt auf einem alten Grabhügel (siehe Seite 20) an der Straße nach Ratshausen und fügt sich vortrefflich in die Landschaft ein. Südöstlich der Kapelle befinden sich am und im Wald zwischen Lachen und Rohr noch 4 weitere Grabhügel. Sie sind in der Eisenzeit (etwa 800 vor Christus) über heidnischen Urnengräbern errichtet worden. 4 Kastanienbäume vor der Kapelle geben im Sommer angenehmen Schatten. Nach Norden bietet ein etwa 2 Meter vorstehendes Satteldach bei Regen und Sonne Schutz.

In der Nähe der Kapelle wurden auch mittelalterliche Siedlungsreste gefunden. Abgegangene Orte nennt man Wüstungen. So ist die Ottilienkapelle der letzte Überrest der Wüstung Lachen. Im Jahre 785 stiftete ein Anselm aus dem (heute ebenfalls verschwundenen Ort) Holzheim einen Wald namens „Laha“ dem Kloster Sankt Gallen. Da Ein Wald nur dann namentlich genannt wird, wenn er zur Besiedlung vorgesehen war, muß auf der heutigen Flur Lachen eine Siedlung gestanden haben. Sie lag an der alten Straße, die von Dotternhausen herkommend am Palmbühl vorbeiführte, über Holzheim durch den Wald Honau zur Kapelle verlief und über Eck und Heidenschlößle nach Deilingen und Wehingen ging. Die Lachensiedlung dürfte schon vor dem Jahre 1200 wieder abgegangen sein, als das Dorf Weilen angelegt wurde.

Ein eisernes Gitter gewährt Einblick in das Innere der Kapelle. Der Altar ist mit der Lourdesgottesmutter, von Tuffstein umhüllt, geschmückt; Die Statuen wurden von dem aus Weilen stammenden Professor Johannes Koch geschnitzt. Auf dem Altarflügel ist rechts die heilige Afra auf dem Scheiterhaufen dargestellt; im Hintergrund die Stadt Augsburg. Das linke Bild zeigt die heilige Ottilie in der heiteren Landschaft des Elsasses. Diese beiden Bilder in Spannrahmen wurden von dem hiesigen Kunstmaler Paul Koch nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen., als er die Kapelle ausgemalt hatte.

Wie die Kirche steht die Ottilienkapelle unter Denkmalschutz. Herren vom Denkmalschutzamt waren 2mal wegen der Kapelle und 3mal wegen der Kirche da. Obwohl die Kapelle auf einem Hügel steht, war der Untergrund nass. Probelöcher zeigten, daß sich sofort Wasser darin ansammelt. In den Jahren 1968/1969 wurde die Ottilienkapelle gründlich renoviert.

 

Der heutige Altar der Ottilienkapelle mit den Flügelbildern des einheimischen Malers Paul Koch und der Madonnenstatue des aus Weilen stammenden Professors Johannes Koch.

 

Renovierte Kapelle

In früherer Zeit war die Weilener Kapelle Wallfahrtskapelle; sie hatte einen regen Besuch und Zulauf, nicht nur von Weilen selbst, sondern noch mehr aus den umliegenden Orten; es kamen Leute sogar vom Schwarzwald und vom Unterland. Sie holten sich Wasser gegen Augenkrankheiten aus dem unter der Kapelle gelegenen Ottilienbrünn lein. Die heilige Ottilia war eine blind geborene Grafentochter, die bei der Taufe sehend wurde. Der Odilienberg im Elsass mit seinem Odilienbrünnlein ist den Elsässern seither heiliges Land. Da aber heute die Ottilienstatue sich nicht mehr in der Kapelle befindet, sondern in der Kirche, ist der Zulauf zum Ottilienbrünnlein nicht mehr so groß wie früher.

In der Deilinger Pfarrchronik, welche 1817 bei dem Brand des Pfarrhauses mit verbrannt ist, stand geschrieben, daß die Kapelle ursprünglich der Muttergottes geweiht war und im Mittelalter immer gut besucht wurde.
Viele Pfarreien aus unserer Gegend machten früher bzw. vor der Reformationszeit ihre Bittgänge bis nach Balingen. Nach der Reformationszeit war unsere Kapelle das Ziel solcher Prozessionen; oft kamen mehrere zur gleichen Zeit dort an. Die Geistlichen lasen in der Kapelle die heilige Messe, andere predigten im Freien, und die Volksscharen lagerten sich auf dem Rasen im Schatten der großen Linde. Dieses bezeugte Pfarrer Wittmer von Deilingen, der die Einträge in der alten Pfarrchronik vor ihrer Vernichtung gelesen hatte.

Auf der südlichen Seite der Kapelle stand eine große Linde, die im Januar 1940 vom Sturm gefällt wurde. Das Alter dieses Riesenbaumes wurde 1920 von 3 Forst- und Oberforstmeistern auf mindestens 800 Jahre geschätzt. Der Stamm hatte einen Durchmesser von 1 Meter oberhalb des Erdreiches von 2,30 Meter. Das Innere war so hohl, daß ein kleiner Tisch darin Platz gehabt hätte, an den sich 3 Männer hätten setzen können. Die unteren Äste begannen schon in einer Höhe von 3 Meter über dem Boden, und einige davon hatten eine Dicke von 70 bis 90 cm; ihre Länge betrug teilweise 12 - 15 Meter. Die unteren Astreihen hatten sich fast alle nach unten geneigt. So konnte man von einem unteren Ast dieser Linde über den Weg bis weit auf das gegenüberliegende Allmandgrundstück, südlich der Kapelle, hinabrutschen, was wir Buben auch öfters gemacht haben. Das Blätterdach war so dicht, daß bei einem Gewitterregen sich auf dem Weg 2 Fuhrwerke hintereinander aufhalten konnten, ohne nass zu werden. Nicht nur der Stamm, sondern auch die Äste waren hohl. Es nisteten ganze Scharen von Staren, Meisen usw. in diesen Ästen. Als im Juni 1908 einige Buben ein Wieselnest im Juni 1908 einige Buben ein Wieselnest mit Jungen in der Linde entdeckten, machten sie ein Feuer um die Wiesel auszuräuchern. Die Folge war, daß die ganze Linde innen zu brennen begann; aus den Astlöchern kam Feuer und Rauch heraus. Die Feuerwehr musste ausrücken; auf Pferde- und Ochsengespannen wurde in Güllefässern das Wasser aus dem Mittelbach geholt und mit einer großen Handpumpe in die Linde gepumpt. Nach mehrstündiger Arbeit gelang es endlich, den Brand zu löschen.

 

Brand des großen Lindenbaumes bei der Ottilienkapelle im Jahre 1938

 

Die mächtige Linde vor der Ottilienkapelle kurz vor ihrem Brand

Im Juli 1938 brach wieder ein Brand in der Linde aus. Ein Arbeiter, der sein Fahrrad unter der Linde aufgestellt hatte, warf eine brennende Zigarette weg. Diese brannte in einem Wurzelloch weiter und verursachte einen verheerenden Brand, der sogar die Kapelle bedrohte. Die Feuerwehr hatte wieder große Mühe, diesen Brand zu löschen. Es musste fast 24 Stunden Brandwache bei der Kapelle gehalten werden; immer wieder brach in einem anderen Ast das Feuer aus. Schon nach dem ersten Brand 1908 fing der Riesenbaum zu kränkeln an. Der zweite Brand traf ihn jetzt tödlich; dem Sturm im Januar 1940 war er nicht mehr gewachsen; er brach zusammen.

Im Frühjahr 1944 hat der Verfasser eine junge Linde an den alten Platz gesetzt, mit etwas größerem Abstand von der Kapelle. Die Kastanienbäume sind 1904 von dem damaligen Kirchenpfleger Augustin Koch gepflanzt worden.

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