Weber Stadt: Grußwort

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8. Markung und Struktur

8.1 Markung, Bodennutzung und Niederschläge

Nach der Erhebung der Jahre 1927 beträgt die Größe der Markung Weilen 308 ha 23 a und 76 qm oder 978 württembergische Morgen. Die Gesamtzahl der Parzellen (Höchste Nummer) beträgt 1 873. Von diesen Parzellen sind aber ein Großteil inzwischen zusammengelegt worden.

Von der Markungsfläche entfielen 1927 auf Äcker und Wechselfelder etwa 60 ha. Gärten und Länder zum Gemüseanbau etwa 3 ha, Wiesen mit einem Schnitt machten 2 bis 3 ha aus, mit 2 Schnitt rund 140 ha. Waldungen und Grund mit Holzbestand umfassten eine Fläche von 80 ha, Ödland etwa 5 ha. Die Angaben sind zum teil der Bodennutzungserhebung entnommen und haben sich inzwischen wesentlich verändert. So ist besonders das Ackerland zurückgegangen, und der Wald ist flächenmäßig sehr gewachsen.

Auch die Gebäude und Hofflächen haben erheblich zugenommen. 1927 bedeckten Gebäude und Hofflächen sowie Wege, Straßen und Gewässer etwa 16 ha der Markung. Von 1927 bis 1969 wurden 40 neue Häuser gebaut, ohne die Anbauten gezählt. Die Zahl der Gebäude betrug 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg 84, darunter 5, die nicht zu Wohnzwecken dienen (Kirche, Kapelle, Dreschhalle, Rathaus und Backhaus). 1969 gab s in der Gemeinde 115 Gebäude.

Die Markung von Weilen ist sehr Niederschlagsreich. Der Verfasser dieses Ortsbuchs hat während der letzten 25 Jahre Die Niederschläge der einzelnen Monate gemessen. Die Jahresmenge lag in dieser Zeit zwischen 724,2 und 1 271,4 Liter je Quadratmeter. Die folgende Tabelle gibt die Niederschlagsmengen in Liter je Quadratmeter an:

JahrJan.Feb.MärzAprilMaiJuniJuliAug.Sept.Okt.Nov.Dez.
194397,737,332,156,154,199,485,936,9110,770,673,839,6
194464,888,651,344,839,1101,788,639,277,674,7191,986,9
194577,976,658,759,948,0120,266,0228,468,717,281,066,7
194628,7125,140,621,695,8208,787,0108,578,937,730,730,1
194748,333,293,730,682,585,1116,629,644,616,5110,4163,0
194889,893,629,751,859,4124,0219,179,740,220,924,224,3
194944,017,042,778,2108,146,033,061,861,97,355,477,2
195019,495,313,485,384,3100,659,4110,9131,731,2172,024,3
195169,371,766,148,197,4134,579,0137,276,950,979,543,5
195285,686,922,097,072,878,630,935,279,1118,3139,2114,2
195313,894,19,952,458,3205,8173,036,266,436,84,122,4
195461,150,018,379,260,383,0121,7145,0149,370,527,4126,2
1955120,475,753,313,479,2112,8232,472,4103,833,720,281,8
195683,824,457,586,6136,5107,8145,2167,541,391,056,919,5
195729,4100,532,235,758,5155,4124,686,790,827,428,127,5
1958128,7160,730,474,769,5110,3110,4142,070,377,549,477,9
1959142,14,173,337,774,3129,743,345,817,175,634,550,9
196042,867,463,936,3149,0116,884,0194,624,7126,482,952,8
196153,964,135,091,5115,688,691,791,829,742,532,078,0
196288,255,788,055,982,784,338,778,274,35,230,873,4
196325,533,165,079,181,5108,5123,8230,148,444,4114,93,0
196418,136,381,157,8124,745,519,4136,362,756,166,437,7
196580,051,7109,4114,0204,7120,9148,0108,494,97,6111,0120,8
196655,947,0100,173,476,0120,3125,7153,434,259,444,8121,9
196779,429,696,935,282,4155,1101,5120,292,424,663,253,9
1968114,166,753,3107,6140,074,570,0123,5141,552,628,044,8
196948,842,540,074,294,6169,772,4181,331,714,4

8.2 Die Bedeutung der Flurnamen unserer Markung

Angel Spitzacker oder Anger
Angelgraben
Armweileresch Verschwundene Siedlung (siehe Kapitel 1.5) Esch = Zelg
Außendorf
Bächle (Bächli)
Brunnenstube Quellfassung, die vor 1900 bestand
Brand, Brandgraben Rodung durch Brand
Brändli Kleine Brandrodung
Breite (Uf der Broata) Ausgedehntes Feld
Breitengraben (Broatagraba)
Breitenried (Broataried) Ried = Sumpf
Brückenwiesle
Brühl (Briel) Feuchte Wiese
Brühlzügen Gelände beim Brühl
Bildenstöckle Hier stand einst ein Bildstock
Böhm Bäume, heute nicht mehr Wald
Bol (unrichtig Bohl) Bol = rundliche Erhebung
Burgstall Abgegangene Burg = Heidenschlößle
Degetswiesen
Delbschen
Demmelhalden
Eck
Egert (Uf da Iagert) Ruhendes Ackerland
Eichen, Hinter Eichwäldle (Oachwäldli) Dort stehen Eichen
Engstenhalden
Felben ( Am Felba) Felbe = Weidenbaum
Fohrenwäldle (Am Fiarawäldli) Dort stehen Forchen
Fußhalde Am Fuß einer Halde
Gallenwiesle (Im Gallawiesli) Steilwiese unterhalb des Heidenschlößles jetzt mit Wald bepflanzt, früher wohl Besitz des Klosters Sankt Gallen (siehe Kapitel1.6)
Gassenreute
Grabengassen Gasse beim Angelgraben
Gumpenschlai ( falsch Grundschlag, da mdt. Gumpeschlai) Gumpen = tiefe Wasserstelle
Schlai = Schlehe
Hagenwies Farrenwiese
Hagern
Halden
Haldenbrunnen Unterhalb der oben erwähnten Brunnenstube
Häsleacker (Häsliacker) Hasenacker
Heidenschlößle (Huadschlößli) Mittelalterliche Burg (siehe Kapitel 1.6)
Hermannshefte Früher Mannlehen (siehe Kapitel 1.5)
Heuhäusle
Himmelreich Hochgelegene Wiesen unterhalb des Wochenberges
Hinterwiesen
Hirtenbruck (Hirtabruck) Früher als Gänseweide benutzt
Hofstätt (Hochstetts, Früher standen dort Häuser Hochstettsteich) (siehe Kapitel 1.5)
Hohrück Rückenartige Erhebung
Holz, Unterm Gelände unter den Wäldern
Honau Hohe Au?, jetzt großer Wald
Hürsten, Hürstenhag Hürst = Dickicht, Gesträuch
Juchte, Juchtereutenen
Kapellengraben
Kapellenreutenen (Käppilireutene) Allmandstücke bei der Kapelle
Katzensteigle
Kienetsreute
Kirchhof Friedhof
Kochmartisacker Acker eines Martin Koch
Krummenacker Krumme Äcker
Lachen Bereits 785 als Laha (Grenze) erwähnt (siehe Kapitel 1.5)
Langenacker Lange Äcker
Lehmgrube
Löchli
Lohgraben (unrichtig Laugraben) Loh = lichtes Gehölz
Lucktenacker (Lugdaäcker) Öffnung (Lücke) im Etterzaun
Manngut (früher Hermannshefte) Einst Mannlehen
Märzengarten, Märzenbrunnen
Mausöhrlebühl
Mittelbach (Mittlenbach)
Morgen
Niederwiesle, auch Niederwiesen
Nonnenwiesen Wohl den Nonnen vom Rottenmünster gehörig
Oberdorf
Pfaffenhalden, Pfaffenhölzle
Pfefferpfanne
Pfarrgarten, Pfarrwald
Renne, Rennensträßle, Römische und mittelalterliche Straße, Rennenwasen (siehe Kapitel 1.3), die dem Ort Weilen den Zusatz „unter den Rinnen“ eingebracht hat.
Reutebühl, Reutewäldle, Rohr, Rohrbühl, Rohrhalde Rohr = Schilfrohr, heute Gemeindewald
Rohrkessen
Schalampi (Uf da Schalampie) Ortsteil, nach dem elsässischen Brückenkopf Chalampé mit Anklang an „Schlamper" benannt
Scheibenbühl Hier wurden an Fasnacht glühende Scheiben ins Tal geschlagen.
Schlaich
Spitzacker
Steig, Steigle (Stoagli), Steinboß (Am Stuabauß) Boß = Schlag. Früher wurden dort Steine gebrochen.
Stellegaße
(heute Friedhofstraße)
Schon 1384 genannt
Stockacker Stock = Waldstümpfe
Sulz
Tal
Taubenrain (Tauberua) Steilhalde am Wochenberg
Tiergarten Nasses Wiesengelände
Tobel (unrichtig Dobel) Schlucht
Wacht Ehemalige Wachstelle unterhalb des Wochenbergsträßchens
Wasen, früher auch Stierwasen Weideplatz für Ochsen (Stiere)
Wasen, Unterer
Weiden, Weidenreute
Weiher
Weiler Bach
Wittenbühl, Wittengrund Von Widem = Kirchgut?
Wochenberg
Wochenbergsträßli
Wührle Früher eine Wuhr am Mittelbach

8.3 Wer kennt die Pflanzen, nennt die Namen

Die Besondere Lage von Weilen und die Beschaffenheit des Bodens der Markung bieten einer Flora Raum, die zu den interessantesten des Landes gehört. Hier kommen nicht nur die meisten Pflanzen der Schwäbischen Alb und teilweise des Schwäbischen Mittellandes vor, sondern auch eingewanderte Pflanzen aus dem Hegau und den Schweizer Alpen. Um die Erforschung der Westalbflora hat sich der Weilener Pfarrer Sautermeister (siehe Seite 113) sehr verdient gemacht. Er hat für den botanischen Teil der Spaichinger Oberamtsbeschreibung die wesentlichen Untersuchungen geliefert. Im folgenden werden die Namen der von ihm aufgeführten Pflanzen von Weilen wiedergegeben.

Von seltenen Kräutern und Gräsern finden sich der Lerchensporn (Corydalis cava), die Nelkenart Dianthus Seguierii, die Nachtnelke (Elisanthe noctiflora), die Wickenart Vicia sylvatica, die Nachtkerze (Oenothera biennis), die kleinblütige Aster (Aster pariflorus), Senecio sylvaticus und Senecio Fuchsii, Hieracium umbellatum, Veronica scutellata, Gagea lutea, die große Hainsimse (Luzula sylvatica),Carex brizoides sowie der Ackerfuchsschwanz (Alopecurus agrestis).

Die Zusammenstellung der Sporenpflanzen nennt für Weilen: Aspidium spinulosum, Anthoceros laevis L. auf Waldwegen, Riccia glauca L. auf Äckern, Blasia pusilla L. in Wäldern, Lejeunia minutissima Dum. im Withau an Tannen, Trichocolea tomentella N. ab E. mit Früchten, Shagnum cymbifolium und acuti-folium Ehrh., Orthotrichum Lyellii Hook et Tayl sehr verbreitet an Wald- und Feld-
bäumen, besonders Tannen, selten mit Früchten, Ephemerum serratum Hampe auf Äckern, Bartramia Halleriana Hedw. Polytrichum piliferum Schreb., nicht selten, sowie Antitrichia curtipendula Brid. an Nadelholz, häufig mit Früchten.

Unter den Pilzen auf Weilener Markung sind besonders erwähnenswert: Russula delica,1875 sehr verbreitet, Nyctalis parasitica (?) in Rasen auf Russula delica und foetens, Merulius lacrymans in der Pfarrkirche 1874/75 nicht bloß am Holzwerk, sondern auch an den Mauern sehr verbreitet sowie Craterellus clavatus mit gelben Sporen.

Pfarrer Sautermeister fand seltenere Flechtenarten auf der hiesigen Markung: Cladonia squamosa, Peltigera pusila, Imbricaria tiliacea, häufig mit Frucht, Menegazzia terebrata mit Frucht, Gyalecta cupularis, Biatorina pineti, Sphyridium byssoides, Baeomyces roseus mit Frucht, Leptogium lacerum, häufig mit Frucht sowie Abrothallus Smithii, besonders auf Usnea barbata häufig.

 

Großvater Amand Stauß und Enkel beim Pflügen mit dem Hakenpflug

 

Gemeindepfleger Johannes Weinmann mit Familie beim Heuen (1937)

8.4 Landwirtschaft, Viehzucht und Waldbesitz

Die Landwirtschaft braucht zu ihrer Existenz Grund und Boden. Mit nur 308 ha, 23 a und 76 qm, also nicht ganz 309 ha hat Weilen die viertkleinste Markung des Kreises Balingen. Die Markung ist im Westen, Süden und Osten von bewaldeten Höhenzügen eingefasst. Nur im Norden ist die Markung offen, und zwar gegen Ratshausen, wo aber der Plettenberg ebenfalls einen Abschluss auf Markung Ratshausen darstellt. Unsere Markung gehört dem mittleren und unteren Braunjura an. Die schweren Lehmböden sind als Ackerland schwer zu bebauen, bringen aber in normalen Jahrgängen gute Ernten ein. Die Markung selber ist nicht eben, sondern fast zur Hälfte hügelig, was den Ackerbau noch mehr erschwert. In früheren Jahren wurde viel mehr Ackerfeld bebaut als heute, weil die Einwohner die Ackererträge zum Leben brauchten und kein anderer Verdienst vorhanden war. Die Ackerbaufläche der Markung betrug im Jahre 1850 mehr als die Hälfte der Gesamtmarkung, während sie heute kaum noch ein Viertel der Fläche einnimmt. Die Zahl der Schlepper allerdings ist von 25 im Jahre 1958 auf 44 im Jahre 1966 angewachsen. Ein Kuhgespann sieht man seit 1964 nicht mehr auf der Straße. Alles wird mit den Schleppern und sonstigen landwirtschaftlichen Maschinen bewirtschaftet. In nassen Jahrgängen, wie zum Beispiel 1965, ist es öfters vorgekommen, daß Schlepper auf nassen Feldern eingesunken sind und mit Hilfe anderer Maschinen herausgezogen werden mußten die Feldgrundstücke wurden dabei zum Teil erheblich beschädigt. Beim Ackerfeld kann nicht alles mit Maschinen bearbeitet werden; hier ist ohne Handarbeit nicht ganz auszukommen, besonders bei Kartoffeln. Dagegen sind Traktoren und Maschinen auf dem Wiesfeld von großen Nutzen. An den Berghängen werden die Motormäher eingesetzt, weil an vielen Stellen die Schlepper wegen der Gefahr des Umstürzens nicht verwendet werden können.

Die Wiesen liegen meist an den Berghängen und auf nassem Gelände wie Manngut, Breite, Degetswiesen, Brand, Tal und Wolfsbühl. Die trockenen Wiesen geben gutes und reichliches Futter. In den letzten Jahren wurden auch viele Grundstücke, besonders Wiesen an bergigem Gelände mit Tannen, Fichten, Lärchen und Buchen aufgeforstet. Auch die Gemeindeverwaltung hat etwa 12 bis 15 ha an den Berghängen, besonders auf Allmandstücken aufgeforstet, nachdem sie von den Nutzungsbürgern zurückgegeben waren. Im Jahre 1945 waren noch 72 Allmanden von Nutzungsbürgern bewirtschaftet worden; bis Januar 1966 haben 22 Bürger ihre Allmanden an die Gemeinde zurückgegeben. Da es nicht mehr möglich war, die einzelnen Stücke anderweitig zu verpachten, hat der Gemeinderat beschlossen, die Allmandnutzung bis zum Herbst 1966 aufzuheben und größere Stücke zusammenzulegen und zu verpachten. Die bisherige Allmand bestand aus 6 einzelnen Grundstücken, die zusammen je etwa 54 a Fläche hatten.

 

Holzhauerei im Gemeindewald (von recht nach links): Waldschütz Franz Burry, Josef Weinmann, Richard Burry, Augustin Seifriz und Anton Dieringer. Im Hintergrund Flüchtlinge aus dem Rheinland.

 

Eine Bedeutung für Weilen hat das Sägewerk Beda Koch (1942)

Es dürfte von Interesse sein, wenn die Allmanden für die Bürger ausgegeben wurden. Im Jahre 1793 wurde zuerst der Untere Wasen mit einzelnen Stücken an Bürger als Allmand mit je einem Grundstück ausgegeben. In den Jahren vor 1800 wurde die gesamte Allmandfläche sowie der Wald auf Eck, wo damals noch Grünland war, als Weideland an Schäfer verpachtet. Der Obere Wasen sowie der Brand wurden als Viehweide benützt, der Obere Wasen als Stierwasen, wo die Ochsen ihre Weiden hatten. Von der Gemeinde wurden 2 bis 3 Hirten angestellt. Wer sein Vieh dem Hirten übergab, hatte eine Gebühr an die Gemeinde zu entrichten; sie richtete sich nach der Zahl der weidenden Tiere. Auch für die Gänse und Enten war ein Hirte angestellt; er hütete sie unter dem Scheibenbühl im Hirtenbruck und beim Mittelbach, wo heute noch ein Grundstück „Gansloch“ heißt. Der ganze Rennenwasen wurde als Schafweide benützt und an fremde Schäfer verpachtet. Der Pacht brachte der Gemeinde die größten Einnahmen im Gemeindehaushalt. Meist waren 2 Schafherden auf der Markung, welche 200 bis 250 Gulden einbrachten; es waren einige Mal sogar fast 300 Gulden. Diese Einnahme war im Vergleich zum gesamten Jahresetat (zum Beispiel 1817 = 1 500 Gulden) bedeutend. Zur Schäferpacht kam noch der Verpacht des Pferches, der jährlich 70 bis 80 Gulden einbrachte. Das ganze Gemeindeholz ertrug nur wenig, so im Jahre 1817 eine Einnahme von 76 Gulden und 19 Kreuzer; das Gehalt des Schullehrers betrug im gleichen Jahre 100 Gulden; es musste von der Gemeinde aufgebracht werden. Mit der Zunahme der Bevölkerung ergab sich die Notwendigkeit, mehr Land für die Bauern und besonders für die Kleinlandwirte abzugeben. Daher wurde von dem Gemeindebesitz im Verlaufe der Jahre 1817 bis 1833 die ganze Allmand, die heute noch besteht, aufgeteilt und an die Bürger ausgegeben. Die Allmandstücke auf dem Rennenwasen, bisher jungfräulicher Boden, wurden alle zu Ackerland umgebrochen und waren als Neubruch sehr fruchtbar und begehrt. Im Jahre 1928 wurde der ganze Rennenwasen entwässert und drainiert. Es wäre aber besser gewesen, statt dessen die Juchtereutenen und den Wasen zu drainieren, denn die obere Renne und der Obere Stockacker waren trocken, im Gegensatz zu Juchte und dem Wasen; diese Grundstücke zählen zu den nässesten Feldern der Markung.

 

Im Jahre 1615 gab es im Dorf Weilen 38 Pferde. Infolge der Motorisierung während der letzten zwei Jahrzehnte verschwanden sie aus dem Dorfbild.

 

Das letzte Pferd gehörte der Familie Schumacher

Vor dem Ersten Weltkrieg hatte die Gemeinde 120 Morgen Waldbesitz. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg und bis heute ist vieles dazugekauft und auch aufgeforstet worden, so daß 1966 der gesamte Waldbesitz etwa 150 bis 160 Morgen betrug. 1947 machte das gesamte Gemeindeeigentum an Grundstücken einschließlich der Allmandflächen nach dem Grundbuch 98 ha,75 a und 75 qm aus. Heute, im März 1966, beträgt es wesentlich weniger, weil auf dem Unteren und Oberen Wasen 14 Bauplätze verkauft und im Breitenried ein Areal mit etwa 60 a zur Erstellung eines neuen Schulhauses von der Gemeinde gekauft wurden.

Die Viehzucht ist noch immer bedeutend. Nur die Pferde haben abgenommen. Nach den Musterungsregistern im Jahre 1615 hatten 12 aufgeführte selbständige Bauern 38 Pferde. 2 Bauern (Brosi Weinmann und Hans Riedlinger) besaßen je 5 Pferde, 5 andere Bauern je 4 Pferde. Im Jahre 1803 wurden in Weilen noch 11 Pferde gehalten, dazu 26 Zugochsen. Die Kühe und das andere Vieh sind nicht angegeben. 1834 gab es nur 3 Pferde, 1850 nur noch 2 und nach dem Ersten Weltkrieg 5. Seit 1967 gibt es in Weilen kein einziges Pferd mehr.

Der Rindviehbestand war 1837 folgendermaßen: 42 Ochsen, 125 Kühe, 78 Kälber und Rinder sowie eine Ziege. Er wuchs um die Mitte des letzten Jahrhunderts auf 8 Zugochsen , 130 Kühe, 132 Rinder, 2 Schafe und 32 Ziegen an. Die Zählung von 1860 hatte gegenüber von 1850 wenig Änderungen; die Zahl der Ziegen blieb gleich. Die Bestände an Vieh und Schweinen zeigen unmerkliche Schwankungen in den letzten 50 Jahren.

An Schweinen wurden 1834 gezählt 63 Stück, 1850 – 65 und 7 Zuchtsauen. 1966 betrug der Bestand an Zuchtschweinen nur noch 4 Stück, so daß die Gemeinde gezwungen war, die eigene Eberhaltung aufzugeben und sich an eine Nachbargemeinde anzuschließen. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden hier 42 Mutterschweine gehalten. Einige Jahre nach dem ersten Weltkrieg waren es sogar 80 Stück. Weil das Futter für die vielen Schweine nicht alles selber aufgebracht werden konnte, mußten über die Darlehenskasse Futtermittel wie Mais, Leinschrot, Gerste, Hafer und von einigen Landwirten sogar Rüben bezogen werden.

Die Landwirtschaft wurde noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts mit zum Teil primitiven und veralteten Geräten betrieben. Als Pflüge wurden Wendepflüge und die heute noch in einigen Exemplaren benützten Hohenheimer Pflüge verwendet. Die Wendepflüge gingen schwer; es mußten meist 3 bis 4 Stück Vieh zum Ackern vorgespannt werden. Die Hohenheimer gingen etwas leichter, aber auch dort mußten 3 oder 4 Kühe und Kalbinnen eingespannt werden. Es war schon eine harte Arbeit, die Kühe und Kalbinnen zum Zug anzugewöhnen, und die Treiber und Treiberinnen schwitzten oft mehr als die eingespannten Zugtiere. Die Eggen waren gegenüber den heutigen Eiseneggen wahre Marterwerkzeuge. Sie bestanden aus Eschen- oder Eichenholz und hatten Holzzähne, auch aus Eschen- oder Eichenholz, die stumpf waren und nur bei krümeligen Böden eine gute Arbeit ergaben.

Für Kuh- und Ochsengespanne wurde meist das Doppeljoch verwendet, hie und da auch das Halbjoch oder Stirnband. Das Doppeljoch war ein aus Hartholz bestehendes, mit Eisen beschlagenes, 1,30 bis1,40 m langes Geschirr, das für 2 Zugtiere benützt wurde. Den beiden Zugtieren wurden mit langen Lederriemen die Hörner an das Doppeljoch gebunden, und auch die Deichsel wurde am Doppeljoch befestigt. Die eingespannten Zugtiere zogen dann den Wagen an der Deichsel.; es brauchten keine Stricke zum ziehen verwendet werden. Die Tiere konnten sich aber im Sommer nicht mit dem Kopf gegen Fliegen und Bremsen wehren. Besser war schon das Halbjoch, das gleichfalls mit Lederriemen an die Stirne befestigt wurde. Hier mußten Stricke verwendet werden und eine Waage, bei einem Tier nur eine Halbwaage. Wenn 4 Zugtiere mit 2 Jochen eingespannt wurden, so wurde vom vorderen Doppeljoch mittels eines deichselartigen Gerätes, des so genannten Zieterhakens an dem hinteren Joch angebunden. Einige Bauern benutzten das Doppeljoch noch bis zum Ausgang des Ersten Weltkrieges. Als Einspanngeschirr kam um 1920 das Kummet und das Kehlholz in Gebrauch, die bei den meisten Leuten noch bekannt sind. Seit 1964 ist kein Viehgespann mehr auf der Straße zu sehen. Alle Zugarbeiten werden von Traktoren geleistet.

Die Industrie hat bessere Werkzeuge für die Landwirtschaft geschaffen. Die größte Umwälzung brachte die Elektrizität mit sich, die 1913 in Weilen eingeführt wurde. Wenn auch Anfangs einige Landwirte und Einwohner dagegen waren, so sind im Verlauf der folgenden Jahrzehnte immer mehr Haushaltungen dazu übergegangen, auch in ihre Häuser elektrischen Kraft- und Lichtstrom installieren u lassen; heute gibt es kein Haus mehr, das nicht ans Stromnetz angeschlossen ist.

Im Jahre 1925 wurde hier die Dreschhalle erbaut. Am 19. Juli 1926 hatte ein Gewittersturm die Dreschhalle samt der 70 Zentner schweren Maschine umgerissen und zerstört. Die Dreschmaschine litt aber nur wenig, weil unter dem Vordach der Halle ein vollbeladener Heuwagen stand, auf den sie fiel. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dann noch zusätzlich eine Schrotmühle gekauft. Im Jahre 1952 wurde eine neue Dreschmaschine mit Bindern angeschafft. Heute ist der Dreschbetrieb wieder im Abflauen, da viele Leute die Ernte durch Mähdrescher abernten lassen. Welche Mühe muss es früher gewesen sein, alles Getreide mit den Dreschflegeln zu dreschen! Später kamen die eisernen Walzen auf, die von 4 Personen in den Scheunen hin- und hergezogen werden mussten. Einige Bauern haben Dinkel und Gerste mit Hilfe des Viehs gedroschen, und zwar durch Vor- und Zurücktreten. Die Entwicklung steht nicht still, und bis in 100 Jahren sind von den heutigen Maschinen und Methoden auch in der Landwirtschaft wieder viele überholt und wieder andere Bewirtschaftungsmethoden im Einsatz.

 

Altes Fachwerkhaus in Weilen

8.5 Wasserleitungsbau mit vielen Hindernissen

Früher holten die Einwohner ihr Wasser in Brunnen. In Weilen gab es 17 Brunnen, darunter nur einen laufenden, den sogenannten „Röhrenbrunnen“ beim Pfarrhaus; sein eiserner Brunnentrog steht heute noch. Ein weitere Brunnen war der Plotzbrunnen an der Einmündung der Bohlgasse in die Hauptstraße, der auch durch Zuleitung aus dem Haldenbrunnen sein Wasser erhielt. Diese beiden Brunnen waren die einzigen, die durch Zuleitungen gespeist wurden. Der Röhrenbrunnen erhielt sein Wasser aus dem Gelände unter dem Scheibenbühl. Bei beiden Zuleitungen wurden forchene Deicheln von 3 m Länge, die mit Eisenringen miteinan-der verbunden waren, verwendet. Der Deichelbohrer, mit dem man die Deicheln von einer Öffnung mit 5 cm Durchmesser bohrte, befindet sich heute noch auf der nördlichen Bühne des Rathauses. In den späteren Jahren wurden die Holzdeicheln durch Zementröhren mit 5 cm Lichtweite ersetzt. Ein dritter Brunnen stand beim Backhaus; sein Wasser bezog er aus dem Grundwasser. Die 3 genannten Brunnen gehörten der Gemeinde. Die anderen 14 Brunnen waren alle Privateigentum und füllten sich mit Grundwasser. Das Wasser wurde mit Hilfe einer langen Stange, woran ein Holzeimer befestigt war, heraufgezogen. Am Plotzbrunnen und Röhrenbrunnen waren Brunnentröge, wo man das Vieh tränkte. Die meisten Tiere, besonders die Kühe, ältere Rinder und Ochsen, liefen allein zum Brunnen und, nachdem sie ihren Durst gestillt hatten, wieder allein in ihren Stall zurück.

In normalen Jahren reichte das Wasser knapp aus. Aber im Sommer und Herbst war das Wasser rar, und in trockenen Jahren wie 1893 und 1898 wurde die Lage katastrophal. Die Brunnen hatten kein Wasser mehr, daher musste das Wasser aus der Schlichem geholt werden und auch dort noch in Wasserlöchern, weil der Bach selber nicht mehr oder nur ganz spärlich lief. Die meisten Leute werden sich noch an das Jahr 1947 erinnern können, das sehr trocken war. Wir hatten damals eine Wasserleitung, aber die Quellen lieferten nur noch 11,5 Liter in der Minute, und zudem war noch an einer Stelle ein Rohrbruch, wo Wasser versickerte. Diese Stelle wurde lange nicht gefunden, und da nur noch etwas über 5 Liter Wasser in der Minute in den Wasserbehälter (Wasserreservoir) einfloss, reichte das Wasser für Mensch und Tier nicht mehr aus. Die Wasserleitung musste abgestellt, das Wasser eingeteilt und am Röhrenbrunnen ausgegeben werden. Je Kopf bekam man 10 Liter täglich. Schon damals musste das Wasser für die Tiere mit Fässern aus der Schlichem geholt werden. Auch im Jahre 1898 herrschte Wasserknappheit und da die Stadt Schömberg schon einige Zeit vorher eine Wasserleitung gebaut hatte, holten viele Weilener in Schömberg an der dortigen Wasserleitung ihr Wasser. Einige Einwohner von Schömberg haben aber gegen diese Wasserabgabe protestiert mit der Begründung; daß das Wasser bei ihnen selber ausgehen werde.

 

Das alte Gebäude vor dem Dorfbrunnen (Röhrenbrunnen genannt) diente seit 1867 als Gastwirtschaft zum Kreuz. Die Aufnahme stammt aus der Zeit um 1900. Der landwirtschaftliche Teil wurde 1961 abgebrochen, so daß die Gastwirtschaft erweitert werden konnte.

In dieser Not hat dann der Gemeinderat von Weilen beschlossen, eine eigene Wasserleitung zu bauen. Da auf der Markung Weilen selbst keine Quelle zu einer Wasserleitung vorhanden war, musste auf einer anderen Markung nach einer ergiebigen Quelle gesucht werden. Auf der südlichen Seite des Oberhohenbergs unterhalb des Ochsenbühls war im Gewand Weiler eine gute Quelle, die Weilerquelle, die reichlich Wasser lieferte. Da das ganze Gebiet einschließlich der Weilerquelle Eigentum der Freifrau von Ow in Wachendorf, der Besitzerin des ganzen Hohenberger Gutes, war, trat die Gemeindeverwaltung mit Ihr in Verhandlungen wegen des Verkaufs der Quelle. Freifrau von Ow verlangte einen Preis von 10 000 Mark. Trotz längerer Verhandlungen ging die Besitzerin von ihrer Forderung dieses hohen Betrages nicht zurück. Es wäre aber gut gewesen, wenn die Gemeinde Weilen damals die Quelle gekauft hätte, weil die Quelle 1 km näher gewesen wäre als von der heutigen Risiequelle und weil das Wasser von der Weilerquelle immer bergab gelaufen wäre auf dem Waldweg auf Eck bis zum geplanten Hochbehälter in den Nonnenwiesen und von diesem Hochbehälter in das Dorf. Heute benutzen die Gemeinden Deilingen und Schörzingen die Weilerquelle.

Nun musste man nach einer anderen Möglichkeit suchen. Auf der anderen Seite des Oberhohenbergs, unterhalb des Steilhangs zwischen Oberhohenberg und Lemberg, sprudelten 2 Quellen hervor, die sogenannten Risiequellen. Sie liegen im Staatswald auf Markung Gosheim und sind Eigentum des Landes Württemberg. Die Gemeinde erhielt nach Verhandlungen diese beiden Quellen für ihre Wasserversorgung, allerdings nur in Pacht. 1898 wurde sie vom Staatsrentamt in Rottweil gegen eine Pacht von jährlich 20 Mark zugesagt. Die Wasserleitung wurde nun endgültig beschlossen, und mit der Planung wurde Oberbaurat Ehmann in Stuttgart beauftragt; er erhielt auch die Bauleitung. Der Kostenvoranschlag für die ganze Wasserleitung betrug 33 000 Mark. Nun trat ein Hindernis für den Wasserleitungsbau ein, mit dem niemand gerechnet hatte. Freifrau von Ow in Wachendorf gestattete die Zufuhr und Rohrleitungen über ihr Hohenberger Gut nicht, auch nicht gegen jegliche Schadensvergütung durch die Gemeinde Weilen. Die Verhandlungen und Bittgesuche zogen sich über 1 ½ Jahre hin.

Sogar Oberamtmann Lämmle aus Spaichingen legte sich ins Mittel und machte zusammen mit Schultheiß Blepp von Weilen einen Bittgang nach Wachendorf. Er war ohne Erfolg. Als die Herrschaft von Ow im Sommer 1899 für einige Zeit auf dem Hohenberger Gut in Sommerferien waren, gingen Pfarrer Bullinger und Schultheiß Blepp erneut zur Freifrau von Ow, aber wiederum ohne Erfolg. Die Gemeinde Weilen wandte sich nun an die Regierung von Württemberg in Stuttgart um Hilfe, und die Angelegenheit wurde von Oberbaurat Ehmann dem Landtag vorgetragen. Der Landtag entschied zugunsten der Gemeinde Weilen; die Freifrau von Ow müsse die Grabarbeiten und Leitungsverlegungen gestatten und die Gemeinde Weilen allen anfallenden Schaden ersetzen. Nach menschlichem Ermessen sollte nun angenommen werde, daß die Hohenberger Herrschaft endlich die Erlaubnis zu den Grabarbeiten gegeben hätte. Leider war dies nicht der Fall.

Die Freifrau von Ow wandte sich an die I. Kammer. Diese bestand aber meist aus Adeligen, Grafen, Rittern und Freiherrn, und diese hatten das letzte Wort der Entscheidung; sie standen über dem Landtag. Die I. Kammer entschied nun zu Gunsten der Freifrau von Ow. Wegen dieses ablehnenden Bescheids musste nun neu geplant werden.

Die Wasserleitung musste über die Markung Schörzingen geführt werden, und zwar 1 200 m an Abhängen entlang. Durch diese Verlegung an den Abhängen entstanden mehrere ungünstige Umstände. Die Quellen liegen unterhalb der Steilhänge des Hochbergs zwischen Oberhohenberg und Lemberg in einer Höhe von 891, also fast 900 m. Die Leitung verläuft nun zuerst einige hundert Meter mit mäßigem Gefälle bergab, nach etwa 400 m geht sie mit sehr starkem Gefälle abwärts bis auf eine Höhe von knapp 700 m im Ehwinkel. Von hier aus fließt das Wasser mit einer Steigung über den Sattel des Wochenberges mit einer Höhe von 825 m und dann in den Hochbehälter, der 75 cbm Wasser fasst. Im Ehwinkel und an anderen Gebieten auf der Markung Schörzingen sind durch Rutschungen im Verlauf der Jahre schon sehr große Kosten entstanden. Im Jahre 1936 rutschte die Leitung auf einer Strecke von 200 m ab, die Röhren wurden einfach abgerissen. Im Jahre 1938 wurde eine größere Strecke umgeleitet; diese Kosten beliefen sich auf fast 9 000 Mark. Auch im Gelände der beiden Quellen sind Rutschungen aufgetreten, besonders im Jahre 1938. Die Folge war, daß etwas Wasser unterhalb der Quellen ausfloss, da es wegen des starken Gefälles nicht mehr gefasst werden konnte. Es fließt nach Wilflingen hinunter. Am 7. Oktober 1900 war die Wasserleitung nun endlich soweit fertig, daß man Wasser aus den Hähnen laufen lassen konnten. Es herrschte eine große Freude im Dorf. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 36000 Mark.

Weil der Bedarf an Wasser immer mehr steigt und auch die Bevölkerung um 1/3 zugenommen hat, reichte das Wasser in trockenen Jahren nicht mehr aus. Darum hat die Gemeindeverwaltung beschlossen, dem Gemeindeverband Wasserversorgungsgruppe Hohenberg beizutreten. Die Gemeinde Weilen hat nun Anspruch auf zusätzliches Wasser von 1 Liter/sec. Diese Menge reicht voraussichtlich für längere Jahre aus.

8.6 Die Installation des elektrischen Lichtes

Die Gemeinden in der Gegend von Aistaig und der Balinger Gegend – vom Großen und Kleinen Heuberg – hatte schon vor dem Ersten Weltkrieg, besonders aber im Verlauf des Jahres 1912, mehr mals Versammlungen abgehalten zwecks Gründung eines Gemeindeverbandes für den Bezug von elektrischem Strom. Die Gemeinden des Oberamts Spaichingen waren 1912 auf eine Versammlung nach Wehingen einberufen worden. In Weilen hielten am 24. November 1912 Gemeinderat und Bürgerausschuß eine gemeinschaftliche Sitzung im Rathaus ab. Schultheiß Blepp referierte über die Sachlage. Es sollte nun eine Kommission gewählt werden, welche die Gemeinde Weilen als stimmberechtigte Abordnung bei der Versammlung in Wehingen vertreten sollte. Nach eingehender Beratung wurde dann beschlossen, daß sowohl der Gemeinderat als auch der Bürgerausschuß geschlossen an dieser Versammlung teilnehmen werden. In der Gemeinderatssitzung vom 21. Juni 1913 wurde dann folgendes beschlossen: „Nachdem nunmehr der Kreis der an das Elektrizitätswerk in Aistaig anschließenden Ge-meinden bestimmt ist, hat sich, wie schon auf den Vertreterversammlungen in Balingen und Wehingen besprochen, und wie von der Königl. Kreisregierung neuerdings aus Anlass der nachgesuchten Regierungsgenehmigung zu eine Schuldaufnahme angefangen wurde, das Bedürfnis herausgestellt, sämtliche an dem Elektrizitätswerk Aistaig beteiligten Gemeinden in einem besonderen Gemeindeverband zusammenzufassen und dessen Rechtsverhältnisse in einem besonderen Verbandsstatut klar zu stellen. Der Verbandsausschuß der Wasserversorgungsgruppe des Kleinen Heubergs, welcher bisher auf Grund des Satzungsnachtrages dieses Gemeindeverbandes die Angelegenheiten des Elektrizitätswerkes zu besorgen hatte, hat nun für den neuen Gemeindeverband Überlandwerk Aistaig eine Verbandssatzung aufgestellt, welche die vorläufige Billigung der Königl. Kreisregierung erfahren hat. Die Gemeindekollegien beschließen: 1) Namens der Gemeinde Weilen den Beitritt zu dem neu errichteten Gemeinderverband Überlandwerk Aistaig zu erklären. 2) Die vorgeschlagenen Verbandssatzungen anzuerkennen und derselben zuzustimmen. 3) Gemäß § 5 Abs. 1 der Satzung sofort die Wahl des Gemeindevertreters und seines Stellvertreters vorzunehmen. 4) In geheimer Wahl und Stimmabgabe des Gemeinderats und des Bürgerausschusses erhielten Stimmen: Schultheiß Blepp 8 Stimmen und Johann Weinmann sowie Rupert Blepp je 4 Stimmen. 5) Die Verbandsversammlung zu ermächtigen, im Genehmigungsverfahren etwa erforderliche redaktivale Änderungen und Ergänzungen in den Satzungen zu beschließen.“

Im Herbst und Winter 1913 wurde dann Weilen mit elektrischem Strom versorgt. Die Installation wurde hauptsächlich von der Firma Wilhelm Kraut in Balingen, durch ihren Monteur Rosenfelder und eine Hilfskraft ausgeführt. Aber vor Beginn de Ersten Weltkrieges hatten kaum die Hälfte der Gebäude elektrische Lampen und nur 9 benötigten elektrische Kraft für Motoren. Wie zögernd und langsam die Einführung von elektrischem Licht und elektrischer Kraft in Weilen war, geht aus einem Gemeindeprotokoll vom 21 März 1914 hervor. Hier heißt es:
„Verwaltungsaktuar Röhrle brachte zur Sprache, daß Weilen die einzige Gemeinde sei, welche das elektrische Licht noch nicht im Rathaus und Schulhaus eingebaut hätte und die Gemeinde sei doch Mitglied des Verbandes.“ Im Anschluss daran wurde dann beschlossen, sowohl im Rathaus als auch im Schulhaus elektrisches Licht zu installieren. Bei der Beschlussfassung stimmten nur 7 Männer für den Einbau und 5 waren dagegen. Im Frühjahr 1915 war die Lehrerwohnung noch ohne elektrisches Licht. Der Lehrer stellte daher den Antrag, daß elektrischer Anschluss hergestellt werde, da infolge des Ersten Weltkrieges die Beschaffung von Petroleum sehr schwierig war. Der Einbau wurde dann beschlossen. Die Kirche wurde erst 1922 mit elektrischem Licht versehen. Die Installationskosten wurden durch freiwillige Spenden und Sammlungen aufgebracht. Elektrischer Kraftstrom wurde 1953 und die elektrische Kirchenheizung im Jahre 1959 eingebaut.

8.7 Die Unterhaltung des Straßen- und Wegenetzes

Im Verhältnis zu seiner Markung hat Weilen eine lange Straßenfläche, welche sich 5 km hinzieht. Vor dem Bau der neuen Straße nach Deilingen war das Straßennetz noch größer und die Straßenverhältnisse noch schlechter. Das Rennensträßle und die Wochenbergstraße mussten von der Gemeinde unterhalten werden. Die Gemeinde hatte auch 3 Straßenwärter angestellt, in den Jahren 1845 – 1853 Johann Burry (zu-ständig für den Ortsetter bis an die Markungsgrenze nach Schörzingen), Anton Weinmann, Krämer (für das Wochenbergsträßle und das Rennensträßle) sowie Fidel Dannecker (für die Straße nach Ratshausen). Vom Deilinger Steinbruch am Ortenberg mussten jedes Jahr Unmengen Steine auf diese Straßen angeführt, geklopft und an die schlechten Stellen ausgelegt werden, und dies alles auf Kosten der Gemeinde Weilen. So wurden laut Gemeinderechnung von 1846 folgende Menge Steine auf die einzelnen Straßen geführt: 76 Roßlasten je 700 Pfund auf das Wochenbergsträßle, 234 Roßlasten auf die anderen Straßen. Der Fuhrlohn für diese 310 Roßlasten Steine von Deilingen auf die einzelnen Straßen betrug allerdings nur 59 Gulden und 42 Kreuzer. Außer diesen Steinen wurden noch 59 Wagen Kies aus der Schlichem von Ratshausen angeführt; dafür hatte Weilen an die Nachbargemeinde 3 Gulden zu bezahlen. Die Wegknechte, wie die Straßenwärter damals genannt wurden, mussten die Steine selber schlagen und die Gräben an den Straßen stets offen und in Ordnung halten sowie sie überwachen. An Gehältern wurden im Jahre 1846 bezahlt: für das Rennensträßle 18 Gulden, für den Ortsetter und die Wochenbergstraße 37 Gulden, für die Straße nach Ratshausen 12 Gulden.

Das Schneebahnen wurde jeweils im Herbst für den ganzen Winter im Akkord vergeben, und zwar für jede Bahnöffnung. Es wurden zum Beispiel im Winter 1845/46 für einmaliges Bahnschlittenfahren 3 Gulden bezahlt; der gleiche Preis wurde auch 1846/47 bezahlt. In diesem Winter wurde der Bahnschlitten 7mal geführt. Der Weg führte zuerst nach Ratshausen über das Rennensträßle nach Deilingen, über Eck zum Wochenbergsträßle, hinab bis zum Withaueck an der Markungsgrenze Schörzingen und dann zurück nach Weilen. Von den Kosten der Straßenwärter, der Instandsetzung der Straßen und des Schneebahnens zahlte später die Amtskörperschaft Spaichingen wieder einen Teil an die Gemeinde zurück.

Wer früher nach Deilingen mit dem Fuhrwerk fahren wollte, mußte ent-weder über Rennenwasen-Rennensträßle oder aber über das Wochenbergsträßle fahren. Das Rennensträßle ist uralt (siehe Seite 22), und laut Oberamtsbeschrei-bung soll früher auf ihm die Landkutsche gefahren sein. Es führte auch noch die alte Straße über Juchte und Eck nach Deilingen. Diese wurde aber nicht mehr instand gesetzt; daher war sie nur im Sommer bei trockenem Wetter befahrbar. Deshalb war der Bau einer neuen Deilinger Straße notwendig. In Verhandlungen seitens der Amtskörperschaft Spaichingen mit dem Staat und den am Straßenbau interessierten Gemeinden wurde 1872 beschlossen, eine neue Straße von Weilen nach Deilingen zu bauen. Die Strecke wurde in 3 Lose aufgeteilt und im Akkord vergeben. Das erste Los ging vom Withau bis zum Angelbühl einschließlich Angel-brücke. Die alte Straße ging ja auf dem Angel am Haus Nr. 67 (Max Stauß) vorbei, so wie dessen Zufahrt heute noch verläuft. Bei schweren Lasten von Schömberg her mußte man immer 4 Stück Vieh oder Pferde an den Wagen spannen, damit man den Buckel heraufkam. Die Ausschüttung eines Dammes und Verbreiterung der Angelbrücke waren beim Los Nr. 1 inbegriffen. Den Auftrag für das Los Nr. 1 hatte Kronenwirt Reiner von Deilingen mit einem Mann von Delkhofen zusammen um 1 300 Gulden. Vom jetzigen Einschnitt im Withau wurde auch das Erdreich zum Aufschütten des Straßendamms zwischen Gebäude 13 (Schwarz) und Gebäude 67 und 14 entnommen. Die alte Straße oben am Withau, die von Schörzingen und Schömberg kam, verlief nämlich gerade von Schörzingen über den Buckel herab. Vor dem Straßenbau zwischen Schömberg und Weilen, der jetzt erst erfolgte, konnte man die alte Straßenführung noch gut erkennen. Die zweite Baustrecke von der Angelbrücke durch den Ort Weilen bis in die Obere Juchte sowie den dritten Bauabschnitt bis nach Deilingen hatte eine Baufirma aus Tuttlingen - es waren 5 Brüder – übernommen. Die Gesamtkosten der neuen Deilinger Straße betrugen 15 000 Gulden. An diesen Kosten bezahlte der Staat 8 000 Gulden, die Amtskörperschaft Spaichingen 5 000 Gulden; den Rest von 3 000 Gulden hatten die 3 Gemeinden Wehingen, Deilingen und Weilen mit je 1 000 Gulden zu tragen. An der Straße, die im Frühjahr 1873 begonnen worden war, waren zeitweise über 60 Arbeiter beschäftigt sowie mehrere Pferdegespanne. Als im Herbst 1873 schlechtes Wetter eintrat, kam es zu Rutschungen an verschiedenen Dämmen, wodurch sich die Kosten nochmals um 1 000 Gulden erhöhten. Auch die Unternehmer erlitten durch das schlechte Wetter finanzielle Verluste. Die Anlage der neuen Straße von Weilen nach Deilingen wurde schon damals als nicht ideal bezeichnet. Heute bei dem starken Autoverkehr ist sie mit ihren vielen Kurven und Steigungen sehr gefährlich; heute würde sie jedenfalls anders gebaut.

Die Schömberger Straße wurde 1820 angelegt. Im Jahre 1935 wurde die ganze Straße von Schömberg bis Wehingen mit einer Schotterdecke versehen und gewalzt. In den Jahren 1937 bis 1939 erfolgte dann die Befestigung und Vollendung der Straße durch eine Teerschicht. Als am 21 April 1945 etwa 80 französische Panzer und sonstige Fahrzeuge und Lastwagen die Straße benutzten, wurden besonders die Kurven derart beschädigt und aufgerissen, daß die Straße eher einem Acker glich.

Die ganzen Ortsstraßen von Weilen einschließlich des Neubaugebietes auf dem oberen Wasen sind in den letzten 10 Jahren kanalisiert und entwässert worden.

Die Feld- und Waldwege auf der Markung Weilen waren noch vor dem Zweiten Weltkrieg (1938) in einem sehr schlechten, ja in nassen Jahrgängen in katastrophalem Zustand. Oft konnte man sie überhaupt nicht mehr befahren, zum Beispiel im Jahre 1922, als man die ganzen Kartoffeln vom Esch Rennenwasen und Weiden bis zur Straße bei der Kapelle tragen mußte. In ähnlichem Zustand waren auch die anderen Wege, weil sie keinen Steinbelag hatten. Die Wege im Wald Rohr waren so schlecht, daß das Vieh nicht einmal den leeren Wagen ziehen konnte, da es bis zum Bauch im Morast versank und die Wagenräder bis zur Achse eindrangen. Dieses ist keine Übertreibung. Auf der Markung Weilen gab es keine Steine, und die Beifuhr der Steine von Deilingen wäre zu teuer gekommen, denn es mußte ja alles mit Pferde- und Ochsengespannen abgeholt werden. Erst einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg beschloss die Gemeindeverwaltung, soweit die finanzielle Lage dies erlaubte, die schlechtesten Feldwege mit einer Steinvorlage zu befestigen und mit Schotter zu decken. Mit dem Aufkommen der motorisierten Fahrzeuge auch in der Landwirtschaft wurden die Straßen und Wege noch mehr als bisher strapaziert. Zuerst wurde der Wolfbühlweg gerichtet, und zwar durch die Firma Graf aus Dietingen. Diese fuhr mit Lastwagen Steine aus ihrem Steinbruch heran. Später wurde der Weg bis zum Mittelbach und ein Stück gegen den Zuweidenweg instandgesetzt. Ein Jahr später kamen dann der Hochstettsweg und der Brandweg daran. Anfangs 1950 wurde dann der gesamte Rennenwasen bis ins Rohr zur oberen Brücke ausgebaut (mit Hilfe des grünen Planes); dieser Weg ist sehr gut befahrbar und ist in den Jahren1967/68 vollendet worden. Wenn das Holz an befestigten Wegen läge und jederzeit abgefahren werden könnte, wäre der Erlöswesentlich höher. Im Honauwald wurde 1964 ein befestigter Waldweg ausgebaut; dieser Weg gestattet eine Rundfahrt; er wurde vom Forstamt Wehingen angelegt, auch aus Mitteln des grünen Planes. Die Gemeinde Weilen mußte nur etwa 1/10 der Gesamtsumme bezahlen, der Staat und die Privatwaldbesitzer die Restsumme. Ich möchte hier noch erwähnen, daß die Privatwaldbesitzer sehr billig wegkamen. Das Verhältnis der Umlage gestaltete sich für sie günstiger als für die Gemeinde, die nach der Größe ihrer Waldfläche zur Zahlung eines Beitrages herangezogen wurde. Es darf ohne jede Übertreibung gesagt werden, daß Weilen die bestausgebauten Feld- und Waldwege hat, und zwar nicht nur in der näheren Umgebung. Nur der Rest des Rohrweges müsste noch fertig gestellt werden.

 

Luftaufnahme der Gemeinde Weilen unter den Rinnen im Jahre 1968

8.8 Vom Bauerndorf zur Arbeiterwohngemeinde

Die Ackerbaufläche ist in den letzten 100 Jahren um die Hälfte zurückgegangen. Während einst fast alle Bewohner in der Landwirtschaft beschäftigt waren, sucht heute bereits die Hälfte der Bevölkerung ihren Verdienst im Handwerk und in der Industrie. Die meisten Arbeiter betreiben noch abends und samstags eine kleine Landwirtschaft von 1 bis 4 ha. So ist Weilen von einer landwirtschaftlichen Gemeinde zu einer Arbeiterwohngemeinde herangewachsen.

Es gibt hier schon einige Industriebetriebe. Beschäftigt werden in der Nähfiliale Martin Amann 20, Sägewerk und Zimmerei Beda Koch 12, Dachdeckergeschäft Matth. Eckenweber 5, Gipsergeschäft Eugen Seifriz 8, Mechanische Werkstätte A. Widmer 2, Handschuhnäherei Inge Weinmann 3, bei verschiedenen Firmen 5 weibliche Personen. Von den 12 Einpendlern, also Arbeitern aus fremden Orten, sind 7 im Sägewerk Beda Koch und 5 bei Gipsermeister Eugen Seifriz beschäftigt.

An Auspendlern, die jeden Tag auswärts zur Arbeit gehen, gibt es 70. Ihre Arbeitsorte sind in der Hauptsache: Balingen, Rottweil, Dotternhausen, Deilingen, Wehingen, Gosheim, Wellendingen, Endingen und Schömberg. Bei den Auspendlern sind nur die Einwohner gezählt, die dauernd hier wohnhaft sind. Es wohnen einige Arbeiter aus dem Preussischen und einige Ausländer wie Griechen, Türken und Jugoslawen hier, die gleichfalls auswärts arbeiten. Die Zahl dieser Arbeiter beträgt etwa 15, sie ändert sich aber dauernd, weil die Fremdarbeiter nach einiger Zeit an die Orte ihrer Arbeitsstätten wegziehen.

Die Einwohnerzahl ist seit dem Jahre 1947 stark im steigen. Heute, im März 1966, ist sie mit 380 wieder nah an die 400 gestiegen. Diese Entwicklung ist besonders darauf zurückzuführen, daß den auswärts arbeitenden Handwerkern die Möglichkeit gegeben ist, mit ihren eigenen Personenwagen nach Balingen, Rottweil, und an andere Orte, wo sie ihre Arbeit haben, leicht hinfahren zu können. Auch fährt der Bahnbus von Rottweil nach Balingen täglich nach jeder Richtung 10mal hin und her. Weilen hat eine eigene Haltestelle an der Straße von Schörzingen nach Schömberg.

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