Weber Stadt: Grußwort

2. Mittelalter

2.1 Die Stadt und die Grafschaft Oberhohenberg

Die beiden ersten Grafen von Hohenberg – Burkhard I. von Hohenberg und sein Bruder Friedrich – nannten sich Grafen von Zollern und Hohenberg, später nur noch Grafen von Hohenberg. Rottenburg war im 12. Jahrhundert, Haigerloch anfangs des 13. Jahrhunderts in den Händen der Grafen von Hohenberg. Hier erbauten sie feste Schlösser, die heute noch bestehen. Ebingen war Ende des 13. Jahrhunderts, Binsdorf anfangs des 14. Jahrhunderts im Besitz der Hohenberger. Die größte Blüte erreichte die Grafschaft Hohenberg in den Jahren 1240 bis 1350. An der Spitze standen Männer, die durch Kriegstaten und Tapferkeit berühmt waren, aber auch beliebt durch Tugend und Rechtschaffenheit. Der bekannteste Hohenberger Graf war Albert II., schon zu Lebzeiten „der Große“ genannt. Seine Schwester Anna war die Gemahlin Königs Rudolf von Habsburg, des Gründers des Habsburger (österreichischen) Kaiserreichs. Graf Albert II. und sein Bruder Burkhard IV. teilten die Grafschaft Hohenberg unter sich auf. Der Neckar bildete ungefähr die Scheidelinie. Albert, dem älteren, fiel vorzugsweise die vom Reich zu Lehen gegebene Grafschaft Hohenberg rechts vom Neckar mit den Stammsitzen Hohenberg, Haigerloch, Rottenburg und den dazugehörigen Gebieten, Burgen, Städten und Dörfern zu. Burkhard erhielt nichtreichslehenbare, teils erheiratete Herrschaften, meist links des Neckars; unter anderen die Herrschaften Wildberg, Altensteig und Bulach mit den dazugehörenden Gebieten.

Zur Burg Oberhohenberg im engeren Kreis gehörte auch das Städtlein Hohenberg am westlichen Fuß der Burg. Es war eine Siedlung von Soldaten, Handwerkern, Handelsleuten und Bauern, welche die herrschaftlichen Felder bebauten, soweit dies nicht von den Bauern der umliegenden Dörfer in Fronarbeit geschah. Die Ausdehnung des ehemaligen Städtchens Hohenberg ließ sich bei Ausgrabungen, die 1913 unter Aufsicht von Fachgelehrten durchgeführt wurden, ermitteln. Der Grundriss ist heute noch zu erkennen. Die Stadtmauer war 175 m lang, etwa 90 m breit und 1,80 m stark. Mitten durch das Städtlein ging eine Straße, die durch 2 Tore abgeschlossen werden konnte.

Ein Meierhof stand etwa 170 m nordwestlich des Städtchens. Er ist am 8. September 1899 abgebrannt. Die Nikolauskapelle wurde 1815 wegen Baufälligkeit abgebrochen. Das Schafhaus, das ganz in der Nähe des Städtchens lag, dürfte erst nach der Zerstörung der Burg entstanden sein; es wurde 1921 von der Gemeinde Schörzingen abgebrochen. Vom Meierhof kann man heute noch Überreste sehen.

Außer dem Städtlein Hohenberg gehörten zur oberen Grafschaft Hohenberg die Dörfer Deilingen, Delkhofen, Schörzingen, Weilen unter den Rinnen, Ratshausen und Bubsheim. Im weiteren Sinne gehörten noch dazu: Friedingen, Spaichingen, Schömberg, Binsdorf, Strassberg, Ebingen und Stetten am kalten Markt sowie die Burgsitze Wehingen mit den Dörfern Wehingen, Gosheim, Egesheim, Reichenbach, die Neckarburg bei Rottweil mit einigen Dörfern, darunter Dietingen. Weiter wurden zu Hohenberg gezählt: die Burg Kallenberg mit den Orten Obernheim, Dormettingen, Erlaheim und Bronnhaupten sowie die ehemalige Stadt Nusplingen und Igelswies, Buchheim bei Kallenberg, Irrendorf, Hausen im Tal, Nendingen, Truchtelfingen, Kaiseringen, Winterlingen, Meßstetten, Hossingen, Tieringen, Winzeln (abgegangenes Dorf oberhalb Hausen am Tann unterhalb der ehemaligen Burg Wenzelstein), Hausen am Tann, die hälfte von Dürrwangen, Dotternhausen, Täbingen, Dautmergen, Bösingen, Villingendorf, Vaihingen Hof, Suntheim (Sonthof), Zepfenhan, Feckenhausen, Wellendingen, Neufra, Denkingen, Aixheim, Balgheim, Schura, Dürbheim, Anhausen (abgegangenes Dorf). Verwaltet wurden diese Dörfer jeweils von einem Ritter oder Ortsadeligen.
Zur Grafschaft Hohenberg zählten auch die Burgen Berne, Wildeck, Tierberg, Lichtenstein im Fehlatal, Wildenstein und Falkenstein im Donautal. Auch die Burg Neuhewen bei Engen gehörte dazu samt dem Städtchen Engen sowie ungefähr 10 Dörfer in der dortigen Gegend. Nördlich lag das Gebiet der Städte Binsdorf und Haigerloch mit etwa 20 Dörfern teils ganz, teils mit Rechten und Nutzungen von Hohenberg.

Zur unteren Grafschaft zählten Horb mit etwa 15 Dörfern, Rottenburg, Schramberg und Oberndorf mit vielen Dörfern und Burgen. Auf den Fildern gehörte ein Teil der Grafschaft Körtsch dazu. Rottenburg war später der Hauptsitz der Hohenberger Grafen schon wegen des milderen Klimas und der Bequemlichkeit, die auf der Burg Oberhohenberg nicht vorhanden war.

Der geneigte Leser wird denken, warum in dieser Chronik so viel über die Grafen und Grafschaft Hohenberg geschrieben wird. Der Grund ist folgender: Unser Dorf Weilen stand im Verlauf seiner Geschichte in einem ganz engen Verhältnis zur Grafschaft Hohenberg. Sehr wahrscheinlich ist es von den Grafen von Hohenberg gegründet worden wie auch das Dorf Ratshausen. Wir werden später noch hören, welche Verpflichtungen und Fronlasten gegenüber der Herrschaft die Weilener hatten. Die Schicksalsschläge, welche die Hohenberger trafen, bekam auch Weilen zu spüren.

2.2 Die Geschichte der Grafen von Oberhohenberg

Die ganze Gegend hat heute noch von der ehemaligen Grafschaft Hohenberg ihren Namen. Mundartlich heißt sie „Hoiberg“, daraus wurde in falscher Deutung „Heuberg“. Im folgenden soll einiges aus der Geschichte der Grafen von Hohenberg wiedergegeben werden. Wie bereits berichtet, waren die Zollern und Hohenberger eng miteinander verwandt. Burkhard III. von Zollern erscheint auch als Burkhard I. von Hohenberg. Er kommt in Urkunden vor in den Jahren: 1170, 1179, 1192, 1193, 1190, 1185 und 1188. An den Kreuzzügen ins Heilige Land nahm auch er teil und zeichnete sich in verschiedenen Gefechten und Schlachten aus, besonders in der mörderischen Schlacht bei Iconium am 18.Mai 1190, wo er die Reichsfahne vorantrug. Das Gedicht eines Zeitgenossen, Johannes von Würzburg, berichtete über diese Begebenheit in Altdeutsch:

Der den vanen fürt,
kein Laster in berürt,
von rottenburg grav Czoller,
noch ist er unbenennet,
sein Geschlecht man nennet
von Hohenberg – von Heygerloch.

Über die folgenden Grafen ist nichts besonderes zu berichten, bis auf Burkhard III. In Urkunden ist er 1237 und 1253 genannt. Auf einem Ritt über Land bei Deckenpfronn im Kreis Calw wurde er von einem Gewitter überrascht und vom Blitz erschlagen. Er ruht im ehemaligen Kloster Kirchberg.

Von seinen 3 Söhnen ragte besonders einer hervor: Graf Albert II. Schon zu seiner Lebenszeit wurde er „der Große“ genannt; er war auch Minnesänger, Staatsmann und Diplomat. Sein persönlicher Mut und seine Tapferkeit sowie seine Kriegserfahrung waren bekannt im ganzen Reich. Er wurde von seinem Schwager, König Rudolf von Habsburg, zum Landvogt von ganz Schwaben bestellt und verwaltete dieses Amt in hervorragender Weise. Rudolf von Habsburg hatte 1249 auf dem Oberhohenberg um die Hand der Gräfin Gertrud angehalten, und über Weihnachten/Neujahr 1286 weilte er ebenfalls auf der Burg. Nach dem Tod von König Rudolf von Habsburg wollten einige deutsche Fürsten Otto von Bayern als Gegenkönig gegen Herzog Albrecht von Österreich aufstellen. Herzog Albrecht war der Sohn und Thronfolger des verstorbenen deutschen Königs, also ein Neffe unseres Grafen Albert II. von Hohenberg. Wegen der Aufstellung eines Gegenkönigs kam es zum Krieg. Albert II. wollte seinem Neffen zu Hilfe eilen und berief seine Ritter und Lehensleute zu diesem Kampf. Nur ein kleiner Teil leistete dem Aufgebot Folge. In der Not kamen dem Grafen Albert II. seine Bauern zu Hilfe und stellten sich als Kampfgefährten zur Verfügung. Doch das kleine Heer geriet durch Verrat in einen Hinterhalt. Der Herzog von Bayern hatte durch einen Spion erfahren, welchen Weg Albert II. nehmen würde. Otto von Bayern überfiel den Grafen Albert am 17. April 1298 in seiner eigenen Grafschaft bei Leinstetten im Glatt-Tal. Die meisten Ritter ließen den Grafen im Stich und flohen. Die Bauern waren im Kampf ungeübt, daher vermochten sie nichts auszurichten und wurden besiegt. Graf Albert II. kämpfte wie ein Löwe. Doch von vielen Wunden geschwächt, wurde er schließlich tödlich getroffen und stürzte vom Pferd. Seine Leiche war bedeckt mit Bauern seiner Grafschaft; sie wollte ihren Herrn mit ihren Leibern schützen. Es sollen 300 Bauern in diesem Kampf gefallen sein.

Der Wohnsitz des Grafen Albert II. war meist Rottenburg. Dagegen hatte sein Bruder Ulrich seinen Sitz auf der Burg Oberhohenberg. Er war 1281 bereits tot und hinterließ nur eine Tochter mit Namen Agnes; diese vermählte sich mit dem Markgrafen von Hachberg (siehe Kapitel 2.4).

Albert II. hatte 3 Söhne und 7 Töchter. Der Sohn Albert IV. war Pfarrektor in Bondorf und ist 1317 gestorben. Sein Bruder, Rudolf I. von Hohenberg, war gewalttätig, besonders bei der Wahl seines Sohnes Albrecht V. zum Bischof von Konstanz. Dieser hatte in Paris Theologie studiert und zeichnete sich durch Wissen und Könne aus. Er hatte an der Hochschule in Paris selbst Vorlesungen gehalten. Als er Domherr in Konstanz war und Bischof Rudolf von Konstanz starb, wählte ein Teil der Domherren den Grafen und Domherren Albert V. zum Bischof. Ein großer Teil der Stimmen fiel auf den Stiftsdekan Nikolaus von Kenzingen; somit setzte Papst Johann XXII. Diesen als Bischof von Konstanz ein. Albrecht V. widersetzte sich der Wahl. Er wurde von seinem Vater Rudolf bestärkt. Diese sagte dem neuen Bischof samt dem Domkapitel Krieg an und belagerte den Bischof Nikolaus in Meersburg. Allein der Wasserweg brachte den Belagerten immer wieder neue Truppen und Lebensmittel. Albrecht V. wurde später noch Bischof von Freising in Bayern und starb dort 1359.

Ein weiterer Sohn Rudolfs I., Graf Heinrich IV., wurde am 12. Mai 1352 bei Ilanz im Kanton Graubünden mit mehr als 30 Rittern seiner Grafschaft erschlagen. Er focht gerade eine Fehde mit dem Ritter Ulrich von Belamont aus. Bei dieser Schlacht kämpfte auch ein Ritter von Nusplingen mit.

2.3 Weilen – der Weiler der Burg Oberhohenberg?

In der Pfarrchronik von Weilen, die im Jahr 1683 angelegt wurde, steht folgende Sage verzeichnet: Einige fromme Frauen hatten sich zusammengefunden und wollten ein Kloster errichten, um zurückgezogen von der Welt sich dem Dienste Gottes widmen zu können. Auf der Suche nach einem geeigneten Platz für Ihr Klösterlein kamen sie auch in die hiesige Gegend. Es soll den Nonnen hier so gut gefallen haben, daß sie ausriefen: „Hier wollen wir weilen!“ Seit damals heiße der Ort Weilen. Diese Sage ist allgemein verbreitet. Noch heute heißt ein Eschteil oberhalb des Lauhgrabens „Nonnenwiesen“. Dieses Gelände mit etwa 4-6 Morgen besteht aus mehreren Parzellen. Man hat hier Ende des letzten Jahrhunderts Ziegel gefunden (siehe Seite 22). Sehr wahrscheinlich stand hier eine römische Villa, aber sicher kein Kloster. Diese Wiesen haben sehr wahrscheinlich dem Kloster Rottenmünster gehört.

Die jetzige Dorfanlage von Weilen dürfte um 1270 entstanden sein und ist wie Ratshausen eine Gründung der Grafen von Hohenberg. Die Stadt Schömberg ist um 1255 gegründet worden, vermutlich von den Grafen von Zollern. In der Zeit von 1200 bis 1300 wurde das obere Schlichemtal besiedelt. Damit soll nicht besagt sein, daß vorher keine Kleinsiedlungen und Höfe hier standen. Eine ältere Siedlung lag auf den Fluren Hochstetts und Hintere Wiesen (siehe Seite 24). Dies beweisen der frühere Weiher auf der Hinteren Wiese sowie die Tatsache, daß bei Grabarbeiten (Drainage und Baumsetzen) auf der Hinteren Wiese alter Brandschutt und Ziegelreste zum Vorschein kamen.

Wie aber kam es zur Gründung des Dorfes Weilen? Darüber schreiben Prof. Dr. Karl-Heinz Schröder und Dr. Hans Jänichen: „Auf Grund der urkundlichen und sonstigen schriftlichen Überlieferung kann geschlossen werden, daß der Kern des Dorfes Weilen erst im Hochmittelalter, etwa um 1270, entstanden ist.“ Unter den 4 strahlenförmig vom Ortskern ausgehenden Straßen zeigt die nach Südwesten führende, das Oberdorf, am stärksten bäuerliches Gepräge, wie denn auch nach der Überlieferung hier die größten Bauern – die stattlichen Einhäuser bestätigen es – ihren Sitz hatten. Dieser Befund, der Name Hofstett des anschliessenden Gewands, die Nachbarschaft der Kirche und südlich von ihr die etwas unregelmäßige, vielleicht durch frühere Gehöftanlagen bedingte Gebäudestellung, besonders bei Nr. 54, 55 und 56, führen zu dem Schluss, daß es sich hier um den ältesten Siedlungsteil handelt. Allem Anschein nach gehörten dazu auch noch die ebenfalls recht ansehlichen und etwas willkürlich gestellten Höfe östlich der Kirche bis zum Gebäude Nr. 44 und 38. Auch in der Stellestraße dürften etwa 5 bis 6 der älteren Häuser gestanden haben; sie sind zum Teil in den letzten Jahren abgebrochen worden. Auch die Gebäude Nr. 19, 21 und 22 zählen zu den ältesten Häusern Weilens.

Wie in der Straßen- und Häuserordnung tritt auch in der Form der Grundstücke um diesen alten Siedlungskern eine gewisse Regelmäßigkeit hervor. Die nähere Betrachtung des Parzellenverlaufs lässt nämlich erkennen, dass die Nutzfläche hinter den Häuserreihen früher in eine Anzahl von parallelen Rechtecken zerlegt war, die mit der einen Schmalseite und der dazugehörenden Hofstatt an der Straße ansetzten und mit der anderen in den Gewanden der freien Feldflur endeten. Die Länge dieser Parzellen beträgt zum Teil 130 bis 150 m und die Breite meistens 40 bis 55 m. Auf der Flurkarte lassen sich unter Einschluss der Kirchenparzellen wenigstens 6 solcher Streifen feststellen, hinter dem Pfarrhaus, hinter Gebäude Nr. 4, 5, 45 und 46.

Dr. Hans Jänichen nimmt nun an, dass Weilen systematisch von dem Adel in Oberhohenberg angelegt wurde. Am Osthang der Burg lag nämlich eine Bauernsiedlung namens Weiler, die vor 1300 aufgelöst wurde, vermutlich weil die Grafen von Hohenberg um 1270 das Städtlein Hohenberg gründeten. Im Städtlein wollten sie nur Handwerker und Handelsleute haben. Wo haben sie die Bauern von Weiler angesiedelt? Dr. Hans Jänichen schließt aus guten Gründen: im heutigen Weilen unter den Rinnen. Denn unser Ort wurde während des Mittelalters „Wiler under Hohenberg“ genannt. Dabei paßt diese Bezeichnung eher für den abgegangenen Burgweiler. Die für Weilen beschwerliche Fronpflicht (siehe Seite 47) lässt sich leicht erklären, wenn man annimmt, dass sie zuerst auf den Einwohnern der früheren Siedlung lag. Auch die lästige Einbannung der Weilener in die Delkhofer Mühle hat nach Ansicht Dr. Hans Jänichens ursprünglich für den Burgweiler gegolten. Weilen hieß bis um 1600 beinahe immer Wiler oder Weiler.

 

Strassennetz des Ortes Weilen

2.4 Die Herrschaft Oberhohenberg wird österreichisch

Weilen ist als größere Siedlung geplant gewesen. Mit der Gründung des Ortes wurden die früheren Höfe auf den Fluren Hofstett, Hintere Wiesen und Amweileresch aufgegeben. Vielleicht zogen auch Einwohner von Holzheim nach Weilen. Die Bedeutung des neu gegründeten Ortes wurde auch dadurch herausgestellt, dass er eine eigene Pfarrkirche erhielt. Wie Heinz Erich Walter entdeckte, wird der Ort Weilen urkundlich zum ersten mal 1275 als Wiler erwähnt, und zwar in einem Kirchensteuerverzeichnis des Bistum Konstanz. Im Jahre 1975 wird Weilen also sein 700jähriges Bestehen feiern können. Aus der Ersterwähnung geht hervor, dass die Pfründe des Leutpriesters kärglich war. Auch 1353 wird die Pfarrei erwähnt. 1437 ist nur noch von einer Kaplanei Sankt Nikolaus in Wiler unter Hohenberg die Rede, und 1491 wird eine Sankt-Peters-Pfründe in Wyler bei Schömberg genant.

Erst Ende des Mittelalters kam der Name Weilen auf. Die alte Zusatzbezeichnung „unter der Renne“ war bis 1890/1900 gebräuchlich. Dann wurde sie in Weilen unter den Rinnen verunstaltet. Viele Forscher meinen, dass die Bezeichnung Renne oder Rinne keltischen Ursprungs sei. In dem Büchlein „Frühgeschichtliche Studien und Namen am oberen Neckar“ heißt es aber: „In der jüngeren Steinzeit und Bronzezeit, also um 3000 bis etwa 800 vor Christus, als die Täler unserer Heimat noch nicht oder ganz schwach besiedelt waren, gab es in den mit Wald und beinahe undurchdringlichem Unterholz bestandenen Täler wenige gangbare Wege. Dagegen waren die Höhenzüge der Alb und deren viele Höhlen zum Teil schon bewohnt. Die Höhenzüge der Ab wurden, weil sie meist baum- und strauchlos waren, schon damals als Wege benützt. Es entstanden die Reitwege oder nach altdeutschem Sprachgebrauch Rennen genannt.“ Ein solcher Reitweg oder Renne führte am Burgstall vorbei (siehe Kapitel 1.6).

Besitz in Weilen hatte das Kloster Rottenmünster: Anno 1290 schenkte ihm Konrad von Konzenberg eine Gült in Wiler. Die Schenkungs-urkunde wurde früher auf Weilheim bei Tuttlingen bezogen. Erst die neueren Forschungen haben ergeben, dass Weilheim nicht damit gemeint sein konnte, weil das Kloster Rottenmünster dort keinen Besitz hatte, wohl aber in Weilen unter den Rinnen. Im Zinsrodel von Rottenmünster wird im Jahr 1327 „Wiler bei Schömberg“ genannt. 1353 verkaufte der Rottweiler Bürger Dietrich Kundeler seinen hiesigen Besitz an Konrad von Bubsheim und Benz Hansten (Henstein).

Der letzte Graf von Hohenberg in unserem Gebiet, Graf Rudolf III., hatte keinen Sohn und nur eine Tochter Margarethe, die mit dem Markgrafen Bernhard von Baden verlobt war. Er hatte der Tochter die Grafschaft als Erbe versprochen. Allein Rudolf soll von seiner Gemahlin Ida von Toggenburg und seine Tochter Margarethe schlecht behandelt worden sein. Als er seine Grafschaft am 26. Oktober 1381 an den Erzherzog Leopold von Österreich für 66 000 Gulden verkaufte, entstand Streit zwischen der Gemahlin und der Tochter Margarethe und auch mit dem Verlobten seiner Tochter, dem Markgrafen Bernhard von Baden. Dieser sagte Fehde an und unternahm mit seinen Kriegsleuten einen Raubzug in das hohenbergische Gebiet. Er hat unter Androhung der Niederbrennung der ganzen Ortschaften eine Abgabe als Brandschatzung von den einzelnen Gemeinden gefordert. Der Zeitgenosse Burkhard von Mannsberg hat hierüber folgendes aufgezeichnet: „Hier ist vermerkt von den Dörfern, die geschädigt wurden von dem Marktgrafen Bernhard von Baden in Hohenberger Gebiet: Item die von Wiler (Weilen) hand geben ze Brandschatzung L Gulden (50 Gulden Bargeld), XL = 40 Malter Haber (40 Maltersäcke), IIII lib. (4 Pfund Heller) und I barchatni tuch ze botten lon (1 Barchantuch als Botenlohn. Item die von husen (Hausen am Tann) hand geben ze Brandschatzung YV guldin IIII sch. (schilling) heler un XV malter habern. Die von Ralshausen (Ratshausen) Item Hermann Egen LXXX lib. (80 Pfund Heller) an hus an hof an Rindern und anderem fich und hö = und mengerlay andere ding. (Außer diesem Hermann Egen werden noch 9 andere Bewohner von Ratshausen aufgezählt, die gebrandschatzt wurden.) Item die von schertzingen (Schörzingen) gebent ze Brandschatzung LXIII (63) guldin und VIII (8) Pfund heller und 2 barchatni Tuch und 60 Maltern habern.“ Dann werden noch viele andere Orte mit ihren Brandschatzungsanteilen aufgeführt.

Trotz dem Eingreifen des badischen Markgrafen kam Oberhohenberg an Österreich. Schon 1351 hatten die Herzöge von Österreich das Schloß in Wehingen und Güter bei Gosheim gekauft. Herzog Leopold selbst hatte 1375 die Herrschaft Haigerloch durch Pfandschaft erworben und damals sein Augenmerk auf die Erwerbung der ganzen Grafschaft Hohenberg gerichtet. In den letzten 30 Jahren, etwa von 1350 bis 1380, wurde Stück für Stück der einst so stolzen und mächtigen Grafschaft Hohenberg verpfändet und verkauft. 1381 ging dann die Grafschaft Hohenberg – wie bereits berichtet – an den Herzog Leopold von Österreich über. Damit kam auch Weilen unter den Rinnen zu Österreich, bei dem es bis zum 6. Januar 1806 blieb.

2.5 Zerstörung und Schicksal der Burg Oberhohenberg

In der Umgebung von Hohenberg existiert noch eine Sage über die Zerstörung der Feste Hohenberg, der ich schon im Ausgang der zwanziger Jahre nachgegangen bin, und zwar in Schörzingen, Deilingen Delkhofen und nicht zuletzt auch in Weilen. Ich habe wiederholt mit älteren Männern der aufgeführten Orte gesprochen, und alle haben so ziemlich die gleiche Geschichte erzählt. Nach dieser Überlieferung soll sich folgendes zugetragen haben: Die Rottweiler und ihre Verbündeten hätten die Feste Hohenberg nicht so schnell erobern können, wenn sie nicht durch Verrat in ihre Hände gefallen wäre. Die Feste Hohenberg war mit Waffen und Munition wohl und gut versehen. Auch besaß sie eine der damals vorhandenen besten Kanonen, die Hohenberger Liesel genannt; diese fiel den Rottweilern bei der Eroberung in die Hände. Der letzte Ritter von Hohenberg, Jost von Hornstein, sei ein Tyrann gewesen, er hätte die Leute geplagt, wo er nur konnte. Auch soll er den Mädchen und jungen Frauen nachgestellt haben. Als das Heer schon längere Zeit vor der Burg gelegen sei, ohne viel auszurichten, habe eine Magd, die in früheren Jahren mit einem Reisigen Ritter im Rottweiler Heer ein Liebesverhältnis gehabt habe, in einem Brief mitgeteilt, sie werde ihn nach Mitternacht an einem Seil über die Mauer hereinlassen. Der Ritter verständigte sofort seinen Hauptmann; dieser gab ihm einige waghalsige Kämpfer mit. An dem Seil, das die treulose Magd über die Mauern hinunterließ, kletterten die Rottweiler Krieger in die schlafende Burg, fielen über die Wachen am Tor her und schlugen sie nieder. Nachdem sie die Wache unschädlich gemacht hatten, öffneten sie das Tor und ließen die Fallbrücke hinab, so dass das in Bereitschaft stehende Städteheer in die Burg eindringen konnte. Auf das Geschrei der Überfallenen eilten Jost von Hornstein und sein Schwager Graf Hans von Rechberg sowie die wenigen Ritter herbei und versuchten den eingedrungenen Feind abzuwehren. Allein die Übermacht war zu groß, und die meisten fielen. Jost selbst wurde schwer verwundet und rettete sich mit Hilfe seines Schwagers, Schwager Graf Hans von Rechberg, und seiner Frau Anna von Rechberg mit ihren Kindern durch einen geheimen Gang vom Schlafgemach ins Freie, soll aber tags darauf seinen Wunden erlegen sein. In ihrer blinden Wut zerstörten die Städter die Burg vollständig. Was vom Mobiliar von Wert war, nahmen sie als Kriegsbeute mit, unter anderem das große Christusbild aus der Schlosskapelle. Dieses wurde dann in der Taufkapelle in Rottweil aufgestellt. Ferner nahmen sie die große Kanone, die Hohenberger Liesel, mit; sie ist jetzt im Zeughaus in Rottweil aufgestellt. Die meisten Überlebenden der Besatzung wurden die Steilhänge hinabgeworfen. Die am meisten gehassten wurden in leere Weinfässer gesperrt, in die große Nägel geschlagen wurden, und den Berg hinuntergerollt, so dass die Nägel die Körper der Unglücklichen zerfleischten.

 

Das Wappen der Grafen von hohenberg Zeichnung von K. A. Koch

Was sagt nun die Geschichte zu der Volkssage? Im vorhergehenden Kapitel haben wir gehört, wie die einst so große und mächtige Grafschaft Oberhohenberg 1381 verkauft wurde. Graf Rudolf III. hatte sich aber als Leibgeding noch einige Schlösser als Wohnungen auf Lebenszeit vorbehalten. Sie waren nicht mehr sein Eigentum, sondern gehörten dem Käufer Herzog Leopold von Österreich. Da dieser nicht die ganze Kaufsumme aufbringen konnte, verpfändete er wieder Teile der Grafschaft an andere Fürsten, um dadurch Geld zu erhalten. So kam auch die Burg Oberhohenberg mit ihrem Gebiet im Verlaufe der nächsten Jahrzehnte in verschiedene Hände. Von der Gräfin Henriette von Württemberg-Mömpelgard, welche die Festen Hohenberg und Wehingen samt den dazugehörigen Teilen im Besitz hatte, löste Hans von Hornstein zu Schatzburg die Herrschaft Hohenberg ein. Er gelobte 1434 gegenüber Herzog Friedrich von Österreich, die Herrschaft Hohenberg stets offen zu halten und ihnen eine Auslösung jederzeit zu gestatten. Sein Sohn Jost von Hornstein wurde im Jahr 1448 gebeten, die Einlösung der Pfandschaft von der Feste Hohenberg durch Herzog Albert von Österreich zu gestatten. Doch Jost von Hornstein weigerte sich hartnäckig, die Burg auszulösen und behauptete, er hätte diese von seinem Vater als ein ganzes Lehen erhalten. Da er zugleich Bürger von Rottweil war, wandte er sich an diese Stadt mit der Bitte um Unterstützung gegen den Herzog Albrecht von Österreich. Doch die Rottweiler schlugen Jost seine Bitte ab, schon aus dem einen Grunde, weil er Verbündeter des Grafen Ulrich von Württemberg war, der 2449 mit dem Städtebund in Fehde lag. Über die Abweisung seitens der Rottweiler ergrimmte Jost und sagte den Rottweilern Fehde an. Er fiel plündernd in das Gebiet der Stadt ein. Da die aufstrebende und mächtige Stadt Rottweil die nahe gelegene Feste Hohenberg mit ihrem näheren Gebiet sowieso für ihre weitere Entwicklung als hemmend ansehen musste, so nahm die Stadt die günstige Gelegenheit wahr. Mit zahlreicher Mannschaft und Belagerungswerkzeug wohl versehen, zogen die Rottweiler vor die Feste Hohenberg, die nur eine kleine Besatzung von 19 oder 25 Mann hatte. Es befand sich außerdem Josts Gemahlin, Gräfin Anna von Rechberg, mit ihren Jungfrauen im Schloß Oberhohenberg. Das Heer der Belagerer errichtete an geeigneter Stelle einen hölzernen Turm. Mit dessen Hilfe eroberten sie die Burg am 21. September 1449 nach 16stündiger Beschießung. Sie zerstörten sie am folgenden Tag von Grund auf. Bis auf einen Mann, der entkam, wurde die ganze Besatzung getötet. Meist wurden sie die Steilhänge hinuntergestürzt, wo ihre Leiber zerschmettert wurden. Dabei wurde aber auch ein Rottweiler Krieger hinuntergerissen und kam dabei ums Leben. Bei der Belagerung und Erstürmung der Burg fielen noch 3 andere Rottweiler. 10 Jahre nach der Zerstörung der Feste Hohenberg erhielt Graf Hans von Rechberg nach längerer Verhandlung von den Rottweilern an Waffen und Munition zurück: 4,5 Zentner Pulver, 13 Handbüchsen, einige Hakenbüchsen und etwa 100 Eisenpfeile. Dieses hatte alles dem Grafen Hans von Rechberg gehört und war beim Sturm auf Hohenberg in Rottweiler Hände gefallen.

Wegen der Zerstörung der Burg Oberhohenberg war eine verheerende, längere Zeit dauernde Fehde ausgebrochen, und zwar zwischen der Stadt Rottweil und dem eigentlichen Besitzer der Burg, dem Herzog Albrecht von Österreich. Dieser Krieg wurde 1450 in Bamberg vorläufig beigelegt. Der Herzog verlangte eine Entschädigung zum Wiederaufbau der Burg von 40 000 Gulden. Nach einem Schiedsspruch des kaiserlichen Kommissärs zu Heidelberg hätte die Stadt Rottweil das Schloß innerhalb 2 Jahren wieder aufbauen sollen. Aber die Verhandlungen zogen sich immer mehr in die Länge, bis endlich Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach 1453 den Streit schlichtete. Die Rottweiler mussten an Herzog Albrecht von Österreich 8 200 Gulden bezahlen, weil sie die Burg zerstört hatten. Die Burg wurde aber nicht mehr aufgebaut.

Erzherzog Albrecht erhielt auch die Pfandschaft zurück. Die Gemahlin von Albrecht, Erzherzogin Mechthilde, vermachte 1458 im Falle ihres Todes der Kartause Güterstein, wo sie neben ihrem ersten Gemahl begraben sein wollte, das Einlösungsrecht mit 2000 Gulden, was ihr Sohn aus erster Ehe, Graf Eberhard im Bart, 1468 bestätigte. Im Jahre 1475 übergab Mechthilde die obere Grafschaft Hohenberg ihrem Sohn. Dazu gehörten: die Burgställe (Ruinen) Hohenberg und Wehingen, der Forst Delkhofen, Deilingen, Schörzingen, Dautmergen, Weilen, Reichenbach, Bubsheim, Egesheim, Denkingen, Hausen am Tann, Ratshausen, Gosheim, Wehingen, Dürbheim, die Städtchen Hohenberg, Friedingen, Schömberg und Spaichingen, der Burgstall Urnburg und die Dörfer Weitingen und Rohrdorf. Erzherzog Albrecht war aber mit dieser Übergabe nicht einverstanden; er hatte die obere Grafschaft schon 1458 seinem Vetter Sigmund von Tirol übergeben. Mechthilde und Eberhard im Bart verweigerten diese Auslösung, wie einst Jost von Hornstein. Erst nach dem Tod von Mechthilde verzichtete Graf Eberhard im Bart 1482 auf die ganze Grafschaft Oberhohenberg. Der Kaiser selbst hatte sich ins Mittel gelegt und den Einwohnern Hohenbergs wiederholt geboten, vom Jahre 1470 ab nur noch dem Herzog Sigmund zu huldigen.

Noch 1578 war, nach dem Lehensbrief der Delkhofer Mühle von Erzherzog Ferdinand zu schließen, der Gedanke des Wiederaufbaus nicht ganz erloschen. Doch die Bedeutung des mit dem Burgstall verbundenen Meierhofes überwog diesen Gedanken. In dieser Urkunde im Staatsarchiv Stuttgart heißt es: „ Die Müllin zu Telkhofen an dem Weyer, so in unserer Herrschaft Hohenberg, darin sollen, wie das von alter herkommen ist, alle zu Hohenberg im Stättlein, die von Deilingen, Telkhofen und sonst alle die dasselb Kirchspiel gehören, die von Schertzingen, Weyller, Ratshausen malen und das Zimmerholz von den armen Leuten dahin geführt werden, und ob Sach were, daß wür das Schloß Hohenberg wieder gebawen lassen, demselben unserem Schloß vorbehalten seyn alle seine Herrlichkeit und Rechte, also daß der Müller zu Telkhofen denen so auf dem Schloß ohne Lohn malen soll, wie das von altersherkommen; die von Ratshausen sollen die zwo Wysen auf Hohenberg gehörig dörren und aufschochen; wan an der Herrschaft Weyer zu Telkhofen (voran die Mühle) zu bawen, dazu frohnen.“

Von 1563 an hatten die Brüder Huntpis von Waltrams, denen auch das Dorf Wellendingen gehörte, Hohenberg 20 Jahre lang im Pfand gegen eine Summe von 3 000 Gulden. Allein alle Gefälle, Gerichte, Strafen samt der forstlichen Obrigkeit und Herrlichkeit standen der Herrschaft Hohenberg allein zu.

Nach Ablauf der 20 Jahre folgte nach Ablösung der 3 000 Gulden Graf Eitel Friedrich von Zollern als Inhaber, doch nur für kurze Zeit. 1599 übernahm Hans Walter Scheer von Schwarzenburg auf Oberhausen das Gut Hohenberg gegen eine Verschreibung von 3 000 Gulden und 150 Gulden Zinsen. Im Jahre 1622 wurde diese auf 5 000 Gulden und 350 Gulden Zinsen erhöht.

Im Jahre 1747 gingen Hof und Weidgang auf dem Burgstall Hohenberg nebst 221 Juchert Waldung an das Jesuitenkollegium in Rottweil pfandweise auf 20 Jahre über. Die Pfandsumme betrug 12 000 Gulden. Allein, da die aufgewandten Baukosten und Meliorationen von Grund und Boden 375 Gulden betrugen, wurde das Gut im Jahre 1772 mit 15 641 Gulden von Österreich ausgelöst und zunächst dem Denkinger Bürger Lorenz Streicher zu Lehen gegeben.

1786 übertrug der hohenbergische Landvogt von Planck das Gut als bäuerliches Erblehen an Jakob und Christoph Hauschel von Schörzingen. 1806 erkaufte Freiherr Marquart von Stein zu Rechenstein das Lehen um 6 800 Gulden. Er verkaufte es wieder 1812 an den Juden Moses Katz von Rottweil für 7 500 Gulden. Katz veräußerte es 1816 für 8 165 Gulden an Karl Friedrich Gauß und Johann Morlock von Metzingen bei Herrenberg. Diese beiden konnten aber ihre Güterschuld nicht bezahlen; deshalb wurde das Gut 1818 zum Verkauf ausgesetzt. Aber erst nach längeren Verhandlungen verkaufte die Oberfinanzkammer 1825 das württembergische Staatsgut, ein 2stöckiges Wohnhaus mit Scheuern und Stallungen, Back- und Waschhaus, Feldern und Wäldern, insgesamt 420 Morgen, an den Freiherrn Maximilian von Ow in Wachendorf um die Summe von 12 400 Gulden. Im Sommer kam die Familie des Freiherrn immer wieder für kürzere oder längere Zeit auf das Gut. Am 8.September 1899 brannte der ganze Maierhof ab. Übrig blieb nur das Schafhaus, das dann 1921 abgebrochen wurde. Die Freiherren von Ow hatten das Gut Hohenberg verpachtet, zuerst an Jakob Dieterle von Täbingen und zuletzt an J. Rebstock von Dotternhausen; er war der letzte Pächter des Hofgutes; sein Sohn, der spätere Bürgermeister, wurde übrigens in dem berüchtigten KZ-Lager zwischen Dormettingen und Dotternhausen 1945 von Tschechen ermordet. Nach dem Brand des Hofguts wurden die Felder an Bauern der umliegenden Orte Delkhofen, Deilingen und Schörzingen verpachtet. Im Frühjahr 1908 kaufte die Gemeinde Schörzingen das ganze Gut um den Preis von 149 300 Mark. Von der Brandversicherung erhielt die Gemeinde Schörzingen für die abgebrannten Gebäude 20 000 Mark Bargeld. Von den 420 Morgen waren 27 ha Äcker und Wiesen sowie 46 ha Wald; das übrige Gelände war Weide. Bei der Eingemeindung des Hofgutes kamen 3/5 zur Markung Schörzingen und je 1/5 zu Deilingen und Delkhofen. So verging die Herrlichkeit der einst so mächtigen Grafschaft Hohenberg.

2.6 Die österreichischen Lehenbauern und Lehen

Kaum war die Grafschaft Hohenberg zu Österreich gekommen, da wurden die Steuerlisten aufgestellt. Eine „Schatzung für Notfälle“ veranschlagte den Ort Weilen im Jahre 1385 auf 50 Pfund Heller. In den Steuerlisten der Grafschaft Hohenberg werden 1394 namentlich 17 selbständige Bürger aufgeführt; sie hatten zusammen ein Vermögen von 1 711 Pfund Heller. Von diesem Vermögen mussten sie nur 1/20 Steuern an die Herrschaft Hohenberg entrichten. Das Städtlein Hohenberg hatte zur gleichen Zeit 14 Steuerpflichtige mit einem Vermögen von 750 Pfund, Deilingen 14 mit 205 Pfund, Delkhofen 14 mit 815 Pfund, Ratshausen 12 mit 650 Pfund, Hausen am Tann 9 mit 306 Pfund, Schörzingen 24 mit 1 119 Pfund, Dautmergen 17 mit 1 000 Pfund, Wehingen 39 mit 1 790 Pfund, Reichenbach 13 mit 906 Pfund, Egesheim 16 mit 996 Pfund, Nusplingen 59 mit 1 575 Pfund, Unterdigisheim 19 mit 872 Pfund sowie Schömberg und Holzheim 82 mit 12 168 Pfund. Aus dieser Aufzählung geht hervor, daß Weilen bereits 150 Jahre nach seiner Gründung zu den mittelgroßen Dörfern zählte. In der Höhe der Steuerveranlagung wurde der Ort nur von Wehingen und Schömberg-Holzheim übertroffen. Die Einwohnerzahl von Weilen betrug 1394 etwa 100 bis 150. Sie hat sich bis 1700 auf gleicher Höhe gehalten.

Im Jahre 1394 sind in den Steuerlisten von Weilen (Wiler under Hohenberg) folgende Bürger mit dem Wert ihres Vermögens angegeben:

Ulrich Salinger100 Pfund
Bürgli Fry80 Pfund
Haintz der Fry65 Pfund
Metz von Bubsheim135 Pfund
Das Kätherli von Bubsheim41 Pfund
Contz der Fry45 Pfund
Älli Hansten35 Pfund
Heinrich Kolbing150 Pfund
Hans von Wiler150 Pfund
Bentz Kolbings Tochtermann150 Pfund
Sifrit (Seifriz) 190 Pfund
Walter von Wiler90 Pfund
Das Klärli 40 Pfund
Der Berer40 Pfund
Der Taler120 Pfund
Älli Fryli30 Pfund
Bentz Kolbing250 Pfund

Das Oberhohenberger Lehensbuch von 1380 bis 1445 weist folgende österreichischen Lehensträger von Weilen auf: „Syfrid von Wiler (Seifriz von Weilen) und Könzlin Kolbing von Wiler dem torf gelegen under Hohenberg ze Lehen hand von miner herschaft von Österreich ain hoff, darein etwas wisan und äcker gehörend und daselb vorgenant gütlin ist gelegen ze Wiler under Hohenberg.“ Seifriz trug außerdem 4,5 Juchert Acker, eine Wiese in der Hermannshefte und eine Wiese in der Weiten Reute. Hans Seifriz war Träger eines Lehens von 1,5 Juchert Acker im Tal. Walter von Wyler (er hatte noch keinen festen Familiennamen) empfing für sich und seine Geschwister 2 Juchert Acker in der Hermannshefte; er verpachtete sie an Metz von Bubsheim weiter. Ein weiteres Lehen in Weilen hatten zwischen 1380 und 1430 die Brüder Jakob und Hans Albert aus Rottweil inne; es bestand aus einem Hof. Dafür mussten sie eine Gült von einem Scheffel Roggen entrichten. Die Brüder hatten auch österreichische Lehen in Schömberg, Deilingen, Schörzingen usw.

Die Lehen waren Güter, also Grund und Boden, oder Zehntgerechtigkeiten, die vom Adel an seine Untertanen oder sonstige Personen verliehen oder verlehnt wurden. Die Größe der Lehensgüter war verschieden; meistens bestanden sie aus mehreren Grundstücken. Die Größe der Lehensgüter war in der Regel 10 bis 90 Morgen. Die Lehen konnten nur an eine Person, aber auch erblich verliehen werden. In der Regel war aber mit der Verleihung eines Lehens eine Verpflichtung des Belehnten gegenüber dem Lehensherr verbunden.

Neben dem Erblehen gab es die Mannslehen; diese vererbten sich nur auf die männlichen Nachkommen des Belehnten. Mannslehen waren von besonderer Bedeutung für die Weilener Geschichte. Es gab hier 3 Mannslehen der Herzöge von Österreich, den Nachfolgen der Hohenberger Grafen. Wie schon berichtet, hatte Hans Seifriz ein kleines Gütlein zu Leben sowie 4,5 Juchert Acker und eine Wiese in der Hermannshefte und in der Weiten Reute. Der heutige Flurname Mannsgut für die frühere Bezeichnung Hermannshefte kennzeichnet dieses Mannslehen. Das eine Lehen, das 1353 von dem Rottweiler Bürger Dietrich Kundeler auf Konrad von Bubsheim und Benz Hansten übergegangen war (vergleiche Seite 36), hatte 1460 Heinrich Henstein inne; das Geschlecht der Hansten oder Henstein erscheint später in Weilen nicht mehr. Dagegen sind die Lehen der Seifriz (oben erwähnt) und der Weinmann (1516 und 1533 wurde ein Hans Weinmann mit Wiesen in der Hermannshefte belehnt) in den Musterungsregistern 1615 und noch später in den Teilungsakten aufgeführt. Die Mannslehen durften an die Nachkommen bis zu 16 Teilen aufgeteilt werden – ein Grund für die kleinbäuerliche Zersplitterung der Grundstücke. In einem Ehevertrag eines männlichen Nachkommen von Josef Weinmann (Brosi Josef) heißt es noch 1740: Ohne dies Recht, nicht weniger auch hat die Mutter 1 Jauchert Ackers an Hans Weinmann gelegen aus dem Mannlehen vorbehalten, so lang sie in dem Witwenstand verbleiben tut.“

Die Kirchenpflege Dormettingen besaß hier ein dauerndes Lehen, das in den Kirchenrechnungen der Kaplanei Weilen von 1682 an viele Jahrzehnte als Einnahmeposten verbucht ist.

Als Gegenstück zu den Mannslehen gab es Lehen für die weiblichen Nachkommendes Belehnten. Die hießen Kunkellehen. Das Spinnrad oder Kunkel war früher Sinnbild und Handwerkszeug des Weibes. Noch heute hört man die beleidigende Bezeichnung für weibliche Personen „Du alte Kunkel“.

Ein weiteres Lehen waren die Fallehen. Diese Lehen fielen nach dem Tode des Belehnten wieder an den Grundherrn zurück.

 

Die Burg Oberhohenberg um 1450 nach einem Gemälde von K. A. Koch

2.7 Die Fronen der Leibeigenen für die Herrschaft

Im allgemeinen wird unter dem Wort und Begriff Leibeigenschaft verstanden, daß die Grafen und Ritter in der vergangenen Zeit das Recht gehabt hätten, über das Leben und Eigentum ihrer leibeigenen Untertanen zu verfügen, ganz nach ihrem Gutdünken in ihren Launen. Also daß sie diese hätten töten, misshandeln, vor den Pflug spannen und mit der Peitsche traktieren oder gar wie das Vieh verkaufen konnten. Nein, so war es nicht. Die Leibeigenschaft war zwar ein hartes Joch auf den Schultern unserer Ahnen, jedoch nicht in dem Maße, wie viele Leute heute meinen. Die Leibeigenschaft war ein Zustand geminderter persönlicher Freiheit der sich zwischen den Freien und Unfreien im Frühmittelalter herausbildete. Der Leibeigene durfte ohne Erlaubnis seines Herrn den Wohnsitz nicht wechseln und war ihm zu verschiedenen Diensten und Abgaben verpflichtet. Der Leibeigene hatte seinem Herrn eine jährliche kleine Abgabe zu entrichten, der Mann den Mannschilling oder Leibzins, die Frau die Leibhenne. Beim Tod eines Leibeigenen war eine bestimmte Abgabe an den Vogt zu leisten, das so genannte Besthaupt, beim Tod eines Mannes das beste Stück Vieh und beim Tod einer Frau das beste Gewand; die Herrschaft erhielt laut Lagerbuch von 1584 bei männlichem Todesfall auf einen Vermögenswert von 100 Gulden je 1 Gulden, bei weiblichen 15 Heller. In Weilen mussten 1584 jedes Haus an Fasnacht eine „Fasnachtshenne“ abliefern, an Walpurgis eine „Meierhenne“ und an Bartholomäi ein „Herbsthuhn“.

Die Brautleute mussten je nach Vermögen eine Heiratssteuer bezahlen. Im Volk wird noch heute viel gemunkelt über das Recht der ersten Nach. Die Braut hätte sich dem Herrn vorstellen und ihm, wenn er es wollte, zu Willen sein müssen. Zum verbrieften Recht des Herrn gehörte solches Fordern sicher nicht.

Die Leibeigenschaft war erblich, und zwar ging sie nicht vom Vater, sondern von der Mutter auf ihre sämtlichen Kinder über. Wie erdrückend und erniedrigend die Last der Leibeigenschaft auf dem Volk lag, geht aus verschiedenen Versuchen hervor, sie abzuschütteln, besonders zur Zeit der Bauernkriege im Jahr 1525. Abgeschafft wurde die Leibeigenschaft erst 1817 unter König Wilhelm von Württemberg.

Eine weitere Last, welche aus der Leibeigenschaft hervorging, waren die Frondienste. Das Wort Fron ist sehr alt; es kommt von fro = Herr. Herrendienste waren also die Frondienste. Noch heute gibt es in der Gemeinde Fronarbeiten, sie werden vom Fronmeister geleitet. 1582 hatten die Weilener folgende Fronen zu leisten: Das Öhmd, das in Delkhofen zu Schochen aufgesetzt wurde, mussten sie auf den Hohenberg fahren. Das Gras, das auf dem Hohenberg gemäht wurde, mussten sie zusammen mit den Ratshausern dörren und aufschochen; eingebracht wurde es von den Schörzingern. Die gedroschenen Zehntfrüchte in Deilingen mussten Weilener zusammen mit Leuten aus anderen Orten auf den Hohenberg fahren.

Besonders gefürchtet waren die Bau- und Jagdfronen. 1582 heißt es: Wenn die Herrschaft in Delkhofen baut, muß Weilen fronen. Wollte die Herrschaft oder ein Hauptmann im Hohenbergischen jagen, mussten Weilener Treiberdienste verrichten. Der Vogt teilte diesen Jagddienst ein. Bei Schweinejagden mussten die Weilener ihre Hunde mitführen. Zwar war auch diese Fron unentgeltlich, aber bei jeder Mahlzeit hatten die Fronpflichtigen das Recht auf ein halbes Maß Wein.

Nachdem die Grafschaft Hohenberg verkauft und später nach der Zerstörung der Burg teilweise noch verpachtet war, dürfte der größte Teil der Fronlasten weggefallen und durch Geld von den Gemeinden abgelöst worden sein. In der Gemeinderechnng von 1808 und 1832 bis 1849 steht, daß die Gemeinde Weilen an das Kameralamt Rottenmünster jährlich 4 Gulden und 38 Kreuzer Hohenberger Frongeld bezahlen musste. 1849 wurden die Fron- und Zehntlasten abgelöst.

Für die Weilener war die Bannpflicht in der Delkhofer Mühle eine große Last. Obwohl in Ratshausen eine Mühle und an der Schlichem oberhalb von Schömberg 3 weitere Mühlen standen, zu denen die Zufuhr nur 2-3 km betrug, mussten sie den 6-7 km langen Weg in die Delkhofer Mühle machen und zudem noch sine große Steigung von 120 m bei ganz schlechten Wegverhältnissen überwinden. Erst 1513 wird erwähnt, daß die Weilener in der Ratshausener Mühle mahlen lassen durften.

Hinsichtlich der Gemeindefronen im letzten Jahrhundert ist ein Gemeinderatsbeschluß vom 8. April 1832 zu erwähnen. Hier steht u. a.: „Jeder, der ohne dringenden Grund und ohne Entschuldigung vom Fronen wegbleibt, hat für jede versäumte Fron eine Strafe von 12 Kreuzer an die Gemeindekasse zu bezahlen.“ Diese Strafe hatte etwa den Wert von 6 Stunden Arbeitsverdienst eines Handwerkers. Erst am 25 Oktober 1840 wurde unter Anregung des damaligen Schultheißen Anton Stengele beschlossen, daß die Fronen in Geld ersetzt werden sollte, weil viele der Fronpflichtigen den Sommer über in der Fremde als Bauhandwerker oder in sonstigen Berufen arbeiteten. Dafür wurde nun eine Fronsteuer in Hohe von 45 Kreuzer pro Jahr eingeführt. Diese Steuer hatte den Wert von etwa 1,5 bis 2 Tagen des Verdienstes eines Handwerkers.

2.8 Einwohnerzahlen aus den Musterungslisten

Die hohenbergisch-österreichische Herrschaft erließ 1551 eine Strafordnung, in der es heißt, daß die Frevelstrafen an die Herrschaft zu bezahlen sei. Lediglich das so genannte Botgeld gehörte bis zu 3 Schilling dem Dorfvogt, bis zu 5 Schilling dem Obervogt und Kellner auf dem Oberhohenberg, und was darüber hinaus an Strafen verhängt wurde, floss wieder in die Amtskasse. Die meisten Bürger waren wehrpflichtig. So werden 1381 von Weilen 14 Wehrpflichtige aufgeführt, leider nicht mit Namen und Vermögen. 6 Mann trugen eine Rüstung, 4 Mann dienten als Schützen, und 4 Mann waren halb- oder kaum gerüstet. Die Musterungsliste von 1615 nennt wieder 14 Wehrpflichtige, so daß angenommen werden darf, daß die Einwohnerzahl in dem Zeitraum von fast 250 Jahre konstant geblieben ist (100-150). Im einzelnen wurde 1615 folgende 14 Wehrpflichtige in Weilen aufgeführt:

Hans Seifriz, Vogt, 80 Jahre alt, 2 000 Gulden = Barvermögen, 4 starke Pferde zum Feldbau, on der Herrschaft ein Mannslehen, unbewehrt.

Peter Krachenfels, 50 Jahre alt, 700 Gulden Barvermögen, 4 Pferde zum Feldbau, Musketier, hat schlechtes Ackerfeld.

Hans Riedlinger, 50 Jahre,1 000 Gulden Barvermögen, 5 Pferde, keines zu reiten tauglich, Musketier.

Hans Witz, 40 Jahre alt, 400 Gulden Barvermögen, 3 Pferde, Musketier.

Konrad Witz,35 Jahre alt, 100 Gulden Barvermögen, kein Pferd, Musketier.

Hans Weinmann, 73 Jahre alt 200 Gulden Barvermögen, 3 Pferde, Musketier.

Georgius Knell, 70 Jahre alt, kein Barvermögen, 4 Pferde, Doppelsöldner.

Brosi Weinmann, 80 Jahre alt, 1 000 Gulden Barvermögen, 5 Pferde, keines zum Reiten tauglich, Doppelsöldner, starker Feldbau. Hat von der Herrschaft ein Mannslehen.

Hans Koch, 40 Jahre alt, 1 000 Gulden Barvermögen, vier geringe Pferde, starker Feldbau, Doppelsöldner.

Junghans Seifriz, 35 Jahre alt, 600 Gulden Barvermögen, 2 Pferde, bewehrt mit einem Hackengewehr, begehrt nicht in den Krieg zu gehen.

Hans Witz, 35 Jahre alt, Mesner, 100 Gulden Barvermögen, kein Pferd, einfache Wehr mit Hellebarde.

Jörg Witz,35 Jahre alt, 200 Gulden Barvermögen, 4 Pferde, einfache Wehr mit Hellebarde.

Peter Fry, 40 Jahre alt, armer Taglöhner, kein Vermögen, Hellebarde.

Hans Riedlingers Sohn, noch keine Wehr.

Von Steuerpflichtigen Familien der Jahre 1394 waren im Jahre 1615 nur noch die Geschlechter der Seifriz und der Fry (Frey) hier wohnhaft.

Im Jahre 1700 werden 20 Wehrpflichtige in Weilen aufgeführt. Es ist also von 1600 bis 1700 nur eine kleine Zunahme der Bevölkerung zu verzeichnen. Im Jahre 1750 hat die Einwohnerzahl etwas über 200 betragen. Anno 1768 hatte Weilen 29 Häuser, etwa 30 Familien; Anno 1784 zählte der Ort 204 Seelen. Die größte Steigerung der Einwohnerzahl fand von 1800 bis 1850 statt. 1803 waren es 237 und 1848 419. Nach der Aufzeichnung in den Pfarrbüchern betrug 1857 die Einwohnerzahl 422. Von da abnahm die Zahl der Einwohner ständig ab und erreichte 1928 den niedrigsten Stand von 246 Seelen. Die Geburten wiesen ebenfalls die Steigerung der Einwohnerzahl auf. 1609 sind nach dem Taufregister der Pfarrei 8 Kinder geboren worden. Anno 1690 und 1680 sind keine Geburten verzeichnet, im Jahre 1727 = 16, 1792 = 16, 1827 = 17, 1838 = 18 Kinder. Die größte Geburtenzahl ist im Jahre 1844 aufgeführt mit 23 Geburten. Von da ab sinkt die Zahl der Geburten wieder.

 

Die Bevölkerungsentwicklung in der Gemeinde Weilen

2.9 Die erdrückenden Zehntabgaben und Steuern

Gleich der Leibeigenschaften waren die Zehntlasten eine schwere Bürde für unsere Vorfahren. Die Zehnten waren bestimmte Abgaben, die fast auf jedem anbaufähigen Grundstück ruhten und auch beim Besitzwechsel auf dem Grundstück haften blieben. Daß der Bauer das Zehntwesen hasste, ist verständlich. Es wurde im Verlauf der Jahrhunderte mehrmals versucht, wenigstens Erleichterungen auf diese Grundlasten zu erlangen. Besonders der Noval- oder Neubruchzehnte wurde als Unrecht empfunden, und er wirkte sich bestimmt nicht fördernd auf die Landwirtschaft aus. Auch wurden die Zehnten im Laufe der Zeiten mehrmals von den Zehntherrn (Landes- oder Grundherren) verkauft oder durch Stiftungen verschenkt oder verliehen. Es war dem Zehntpflichtigen streng verboten, die Früchte vom Felde heimzuführen, ehe der Zehnte erhoben war. Wenn die Garben gebunden waren, so wurden sie aufgestellt, und man musste sich gedulden, bis der herrschaftliche Zehnter kam und mit einer Stange jeweils die 10. Garbe umstieß. Dabei konnte er zu zählen anfangen, wo er wollte, aber er musste die angefangene Reihe einhalten. Die Zeit des Fruchtschneidens und des Bindens musste der Bauer dem Zehntherrn rechtzeitig anzeigen, und erst wenn die üblich angesetzte Frist verstrichen war und kein Zehntknecht oder sonst ein Beauftragter zum Auszählen kam, durften Knecht oder Magd oder ein unparteiischer Schnitter auszählen; das übrige durfte dann heimgeführt werden. Kam aber ein Gewitter oder Regen, so hatte der Ackerbesitzer oder einer seiner Leute 3mal laut zu rufen: „Zähl aus.“ Kam nach dem dritten Ruf kein Zehntknecht zum Auszählen, so durfte ebenfalls durch einen vertrauten Mann oder eine Frau ausgezählt werden. Noch heute gibt es in vielen Orten Zehntscheuern. In diese Zehnscheuern wurde die Zehntfrucht eingeführt. Die Garben wurden durch Zehntknechte vom Acker geholt und in die Zehntscheuern eingefahren.

Am Großzehnten hatten nicht einmal die 12 Artikel der Bauern im Bauernkrieg zu rütteln gewagt. Erhoben wurde der Großzehnte von den Früchten des Brotgetreides, also von Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer, Gerste und Einkorn. Im Jahre 1489 trat Herzog Sigmund von Österreich den zehnten an die Pfarrei Schömberg und an deren Patronat das Chorherrenstift in Waldkirch, ab. Am 27. April 1729 wurde er diesem Stift einverleibt. Durch die Auflösung des Stiftes 1805 kam er an Baden. Durch gegenseitige Abtretungen zwischen Baden und Württemberg kam das Patronat am 17. Juli 1807 an Württemberg. Im Jahre 1822 kaufte die Stadt Schömberg alle zur Pfarrei Schömberg gehörenden Gefälle von Schömberg, Ratshausen, Weilen und Dautmergen von Baden. Im Esch Armweiler mit 73 Morgen und am Wolfbühl mit 75 Morgen bezog die Kaplanei Weilen den Großzehnten ganz. Die restlichen 4/9 des Großzehnten der Markung bezog das Kameralamt Spaichingen. Im Jahre 1848 ergab der ganze Großzehnte, ohne den Teil der Kaplanei Weilen (Armweileresch und Wolfbühlesch mit insgesamt 150 Morgen): 71 Scheffel und 2 Simri Frucht oder nach dem Sprachgebrauch der damaligen Generation 71 Viertel und 2 Immi Großzehntenfrüchte. (1 Scheffel hatte 20 Liter und 1 Immi war ¼ des Scheffels.)

Der Pfarrer von Schömberg bezog in Weilen 5/9 des Großen Zehnten und den kleinen Zehnten ganz. Der Kleine Zehnte wurde erhoben von den übrigen Feldfrüchten wie Kraut, Erbsen, Linsen, Rüben, Kartoffeln sowie allen Früchten, die im Topf gekocht wurden. Es zählte auch Hanf und Flachs dazu. Der Kleine Zehnte gehörte dem Chorherrenstift Waldkirch bzw. dem Schömberger Pfarrer; die Stadt Schömberg brachte im Jahre 182 durch Kauf diesen Zehnten an sich. Auch der Kleine Zehnte wurde 1852 abgelöst.

Als eine weitere Zehntlast ist der Heuzehnte zu nennen. Er war an das Kameralamt Spaichingen in Geld zu entrichten. Es ist aber zu berichten, daß es mit dem Heuzehnten nicht so genau herging. Auch dieser Zehnte wurde 1852 abgeschafft.

Beim Blutzehnten hatte der Zehntherr folgendes zu fordern: Von einem neugeborenen Fohlen = 4 Heller, von einem neugeborenen Kalb = 3 Heller, von einem neugeborenen Lämmlein = 7 Heller, von einem Kitzlein = 4 Heller, von einer Zucht Enten, Gänsen, Hühnern oder Schweinen je 1 Heller, von einem jungen Immen (Bienenschwarm) was daraus erlöst wurde. Wurde aber der junge Immen eingestellt und erlebte er den Frühling, so mussten für diesen Immen 10 Kreuzer Zehntgeld entrichtet werden. An das Forstamt mussten für Frischlingsgeld von jedem Neuerbauten Haus 23 Kreuzer sowie Hofstattgeld bezahlt werden.

Es bestand keine Pflicht, den Acker anzubauen. Es durfte aus einem Acker keine Wiese gemacht werden, wohl aber aus einer Wiese ein Acker, aber nur mit Genehmigung, wobei dann der Noval- oder Neubruchzehnte zu entrichten war. Diese Zehntart hatte 1822 die Stadt Schömberg von Baden erworben. Aber sie wurde bereits durch Vertrag am 20. Juni 1839 von der Gemeinde Weilen mit einer jährlichen Zahlung von 34 Gulden, die 21 Jahre dauerte, abgelöst. Von dieser jährlichen Zahlung von 34 Gulden an Schömberg gingen 7 Gulden ab, weil vom Chorherrenstift Waldkirch jedes Jahr zu Ostern der so genannte Osterfladen an die Weilener Zehntpflichtigen gereicht wurde. Dieser bestand aus einer Gabe in Fleisch und Brot. Später wurde dafür Geld an die Zehntpflichtigen der Gemeinde Weilen bezahlt, und zwar jährlich 7 Gulden. Als zu Anfang des 19. Jahrhunderts die Gemeinde zuerst auf dem unteren Wasen und 3 Jahre später auf dem oberen Wasen die Allmandteile an die Bürger ausgab, musste die Gemeinde laut Gemeindeberechnung von 1819/1820 Neubruchzehnten bezahlen (vom Unteren Wasen 5 Gulden 42 Kreuzer und vom Oberen Wasen 9 Gulden 48 Kreuzer). Auch von den 1825 bis 1827 von der Gemeinde ausgegebenen Allmanden auf dem Rennenwasen mussten 12 Jahre lang Novalzehnten bezahlt werden, allerdings nur für die Allmandteile, welche zu Ackerland umgebrochen wurden. Abgelöst wurde 1852 der Vertrag mit jährlich 1 Gulden 16 Kreuzer 12 Jahre lang.

Wie kompliziert die Zehntlasten verteilt waren, zeigen die Ablieferungen der Gemeinde Weilen 1817 an das Kameralamt Rottenmünster (Vorgänger des Kameralamts Spaichingen): Maiensteuer 4 Gulden 29 Kreuzer, Martinisteuer 4 Gulden 29 Kreuzer, für 36 Maienhühner 3 Gulden, für 36 Herbsthühner je 5 Kreuzer = 3 Gulden, für 41 Hubenteile je 1 Kreuzer = 41 Kreuzer, Neubruchzehnten = 3 Gulden 32 Kreuzer, Hohenberger Frongeld 1 neuer Gulden 15 Kreuzer oder 3 alte Gulden 23 Kreuzer.

Die Bauern und Zehntpflichtigen versuchten im Verlaufe der Zeit, besonders im Bauernkrieg, die Zehntlasten abzuschütteln, und immer fanden darüber Verhandlungen statt. Aber erst das Jahr 1848 mit seinen Freiheitsrufen brachte die ganze Angelegenheit ins Rollen und führte in Württemberg zu dem Gesetz vom 17. Juni 1849, das die endgültige Ablösung der Zehntlasten brachte. In der Ablösungsurkunde vom 25. August 1852 wurde der Großzehnte, welchen die Pfarrei Schömberg bezog (5/9 des Ganzen), auf jährlich 208 Gulden geschätzt. Das Zehntkapital wurde mit 3 040 Gulden 42 Kreuzer bewertet. Nach der Ablösungsurkunde musste die Gemeinde Weilen an die Stadt Schömberg vom 1. Januar 1852 bis 1 Januar 1873, also 21 Jahre lang, jährlich 199 Gulden 30 Kreuzer bezahlen. Der Rohertrag, welcher 4/9 = 190 Gulden betrug, wurde an das Kameralamt Spaichingen entrichtet. Der Gesamtwert des Großzehntenteils wurde mit 3 028 Gulden 27 Kreuzer bewertet. Als Ablösesumme musste die Gemeinde an das Kameralamt Spaichingen 21 Jahre lang den Betrag von 196 Gulden 30 Kreuzer bezahlen. Nachdem diese drückenden Lasten abgetragen waren, konnte die Landwirtschaft einen Aufschwung nehmen.

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